Wie Freundschaften Stress reduzieren

In einer bahnbrechenden Studie wurde herausgefunden, dass Frauen anders auf Stress reagieren als Männer. Diese Tatsache hat bedeutende gesundheitliche Implikationen. Wenn Menschen Stress erleben, wird die Kampf-oder-Flucht-Reaktion ausgelöst, was zur Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol führt. Oxytocin – ein Hormon, das hauptsächlich in Bezug auf seine Rolle bei der Geburt untersucht wird – ist ein weiteres Hormon, das sowohl von Männern und Frauen als Antwort auf Stress ausgeschüttet wird. Bei Frauen puffert es die Kampf-oder-Flucht-Reaktion ab und ermuntert sie, ihre Kinder zu beschützen und zu ernähren, und mit anderen Frauen zusammen zu kommen.

Dr. Laura Klein und Dr. Shelley Taylor nennen es das Muster des „Umsorgens und Unterstützens„. Es tritt nicht nur bei Menschen auf, sondern auch bei den Weibchen vieler anderer Arten. Wenn wir uns umsorgend und befreundend verhalten, wird sogar noch mehr Oxytocin ausgeschüttet, was dem Stress noch mehr entgegenwirkt und uns weiter beruhigt. Bis vor Kurzem konzentrierte man sich in Studien über Stress auf Männer, sagte Taylor. „Frauen wurden in Studien zu Stress größtenteils ausgeschlossen, weil viele Forscher glaubten, dass die monatlichen Hormonschwankungen zu Stressreaktionen führen würden, die zu weit variierten um als statistisch stichhaltig betrachtet werden zu können.“

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Umsorgen und Unterstützen kann Stress reduzieren

Männer produzieren hohe Mengen an Testosteron wenn sie unter Stress stehen, und laut Dr. Klein reduziert dies die beruhigenden Wirkungen von Oxytocin. Daher ist es für Männer wahrscheinlicher, mit Aggression (Kampf) oder Rückzug (Flucht) auf Stress zu reagieren. Eine Frau wiederum produziert Östrogen, welches die Wirkungen von Oxytocin verstärkt und sie dazu veranlasst, soziale Unterstützung zu suchen.

Aggression und Rückzug rächen sich auf körperliche Weise, während Freundschaft Trost spendet, was die Auswirkungen von Stress verringert. „Dieser Unterschied, während stressiger Zeiten soziale Unterstützung zu suchen, ist die hauptsächliche Art, wie sich Männer und Frauen in ihrer Reaktion auf Stress unterscheiden und sie ist einer der wesentlichsten Unterschiede im Verhalten von Männern und Frauen“, sagte Dr. Taylor. Dieser Unterschied allein trägt zu den Geschlechterunterschieden bezüglich der Lebensdauer bei.

In einer Brustkrebs-Studie aus dem Jahr 2006 fand man heraus, dass Frauen ohne enge Freundschaften ein viermal so hohes Risiko hatten, an der Krankheit zu sterben als Frauen mit 10 oder mehr Freundinnen. Und bemerkenswerterweise standen Nähe und Häufigkeit des Kontakts mit einer Freundin nicht im Zusammenhang mit der Überlebensrate. Überhaupt Freundinnen zu haben bot genug Schutz. 

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Frauen mit engen Freundinnen haben ein geringeres Risiko an einer Krankheit źu sterben.

Schwesternschaft

Die Aktivistin und Schauspielerin Jane Fonda sagt: „Die Freundschaft zwischen Frauen unterscheidet sich zu der Freundschaft zwischen Männern. Wir reden über andere Dinge. Wir gehen in die Tiefe. Wir gehen unter die Oberfläche, selbst wenn wir uns jahrelang nicht gesehen haben. Es gibt Hormone, deren Ausschüttung von Frau zu Frau übertragen wird, die gesund sind und Stresshormone beseitigen. Es sind meine Frauenfreundschaften, die mich aufrecht halten und ohne sie wüsste ich nicht, wo ich jetzt wäre. Wir müssen einfach nur beisammen sein und einander helfen.“

Fonda und ihre enge Freundin Lily Tomlin hielten einen TED Talk über die bedeutende Rolle von Frauenfreundschaften und verglichen Frauenfreundschaften mit einer regenerativen Kraftquelle:

„Weil unsere Freundschaften – Frauenfreundschaften – nur einen Hüpfer von unserer Schwesternschaft entfernt sind, kann Schwesternschaft eine sehr starke Kraft sein, die man der Welt schenkt … jene Dinge, welche die Menschen dringend brauchen.“