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Aug 25

Wie wir die psychische Gesundheit unserer Kinder zerstören, ohne es zu merken

Ein Beitrag von: Tracy Gillett:

Als mein Vater aufwuchs, hatte er lediglich einen Pullover.
Er erinnert sich sehr gut daran, wie er auf ihn Acht gab. Wenn an den Ellenbogen Löcher waren, flickte meine Großmutter sie. Wenn er seinen Pulli verlor, musste er jeden Schritt zurück gehen, den er tat, um ihn wieder zu finden. Er achtete auf ihn, als wäre er das kostbarste Geschenk.

Er hatte alles, was er brauchte und nicht mehr. Die einzige Regel, die es gab, war zum Essen zu Hause zu sein. Meine Großmutter wusste ganz genau, wo ihre Kinder waren.

Sie waren draußen, bauten Festungen, fertigten Pfeil und Bogen an, sammelten Blutergüsse und blutige Knie und hatten ihre Zeit des Lebens. Sie waren versunken ins Kind-Sein.

Aber die Welt hat sich seit dem verändert. Wir sind anspruchsvoller geworden und sind in eine einzigartige Periode eingetreten, in der mehr als nötig bereitgestellt wird. Dadurch kreieren wir unwissend eine Umgebung, in der unsere seelische Gesundheit mehr und mehr leidet.

Als ich das Buch „Simplicity Parenting“ (Vereinfachte Kindheit) von Kim John Payne las, blieb mir eine wichtige Botschaft im Kopf hängen. Normale persönliche Eigenarten kombiniert mit dem Streß von „zu viel“, kann Kinder in eine Störung bringen. Ein Kind welches strukturiert ist, kann in ein krankhaftes Verhalten rutschen. Ein verträumtes Kind könnte die Fähigkeit verlieren, sich zu fokussieren.

Payne führte eine Studie durch, in welcher er Kindern, die eine Defizit-Störung haben, das Leben vereinfachte. Innerhalb vier kurzer Monate, veränderten sie sich zu 68% von klinisch disfunktional in klinisch funktional. Ebenso wiesen diese Kinder zu 37% eine Steigerung in der akademischen und der kognitiven Begabung. Ein Effekt, den man mit Ritalin oder ähnlichen Arzneimitteln nicht erreicht.

Als ein junges Elternteil empfinde ich zweigeteilt: bekräftigend und erschreckend. Wir haben die Aufgabe und Verantwortung für eine Umgebung für unsere Kinder zu sorgen, in welcher sie physisch, emotional und seelisch aufblühen können.

Also was haben wir falsch gemacht und wie können wir es ändern?

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Die Last von „zu viel“

Payne arbeitete früher ehrenamtlich in Flüchtlingscamps in Jakarte, wo Kinder von postraumatischen Störungen belastet waren. Er beschrieb sie als „unruhig, nervös, hyperaktiv und immer auf der Hut vor Neuerungen“.

Jahre später führte Payne eine private Praxis in England, in welcher er viele wohlhabende englische Kinder hatte, die die selben Verhaltensweisen, wie die Kinder in Kriegsgebieten, aufwiesen. Warum zeigten die perfekt lebenden Kinder ähnliche Symptome an?

Payne erklärte, auch wenn sie in einer sicheren Umgebung leben, leben sie seelisch jedoch auch in einer Art von Krieg. „Als Beteiligte der elterlichen Sorgen, Ängste, Gewohnheiten, Ambitionen und die schnelle Art zu leben, bauen diese Kinder ihre eigenen Grenzen, ihren eigenen Grat an Sicherheit in Gewohnheiten aus, welche nicht sehr hilfreich sind.“

Leidend unter einer dauerhaften Stress-Reaktion, als Resultat von einem „zu viel“, entwickeln Kinder ihre eigenen Strategien, um sich sicher zu fühlen. Eltern und die Gesellschaft sind sich bewusst über die Notwendigkeit, unseren Kindern eine sichere Umgebung zu erschaffen.

Wir haben die gesetzliche Verpflichtung eines Autokindersitzes, Fahrradhelme etc. Aber für die seelische Gesundheit von unseren Kindern zu sorgen, sieht ziemlich düster aus.

Traurigerweise fahren wir dieses Level noch höher. Moderne Kinder sind einer konstanten Reizüberflutung von Informationen ausgesetzt, welche sie nicht verarbeiten können. Sie wachsen in einer noch schneller lebenden Gesellschaft auf, indem wir sie in Erwachsenen-Rollen stecken und unsere Anforderungen wachsen immer mehr in diese Richtung. So suchen diese Kinder nach anderen Aufgaben in ihrem Leben, welche sie kontrollieren können.

Die vier Säulen des Überflusses

Naturgemäß wollen wir unsere Kinder schützen und ihnen den besten Start ins Leben schenken. Wenn wir denken, dass ein bisschen gut ist, denken wir wahrscheinlich auch, mehr ist besser – ist es das?

Wir animieren sie zu endlosen Aktivitäten, Fussball, Musik, Kampfkunst, Gymnasik, Ballet. Wir planen ihren Tagesablauf mit Präzesion, sowie ihre Freispiel-Zeit. Wir füllen jede Lücke mit Lehrbüchern, Geräten und Spielsachen. Ein durchschnittliches westliches Kind hat ca. 150 Spielsachen und bekommt jedes Jahr 70 neue. Mit so viel Dingen wird ein Kind verblendet und ist schlichtweg überfordert in seiner Wahl.

Sie spielen oberflächlich, anstatt dass sie sich in das Spiel vertiefen und sich in ihrer wilden Vorstellungskraft verlieren.

„Vereinfachte Kindheit“ ermuntert Eltern, weniger Spielsachen bereitzustellen, damit die Kinder sich mehr in diese vertiefen können. Payne beschreibt die vier Säulen des Überflusses so:
Zuviel Spielsachen, zuviel Auswahl, zuviel Infomationen und zuviel Geschwindigkeit.

Wenn Kinder überfordert sind, verlieren sie die wertvolle Zeit, in der sie herunterfahren können, um fähig zu sein zum Erkunden, zur Reflektion und Anspannungen loszulassen. Zuviel Auswahl zerfrisst das Glücklichsein. Den Kindern das Gelangweilt-Sein zu rauben, beraubt sie der Fähigkeiten der Kreativität und des selbstbestimmten Lernens. Und am allerwichtigsten, „zuviel“ stiehlt wertvolle Zeit.kpusDie Kindheit schützen

Langsam hat die moderne Gesellschaft das einzigartige Wunder der Kindheit beschädigt, neubestimmt und sie hat die unreifen Gehirne unserer Kinder, in den Versuchen am Ball zu bleiben, ertränkt. Viele nennen das „einen Krieg an die Kindheit“.

Der Entwicklungspsychologe David Elkind berichtet, dass Kinder mehr als 12 Stunden in der Woche an freier Spielzeit verloren haben. Die Zeit für das Freispiel ist knapp. Selbst die Vorschulen und Kindergärten sind intellektuell gesteuert geworden. Daneben haben viele Schulen die Pausen verkürzt oder teilweise gestrichen, so dass die Kinder noch mehr Zeit mit lernen verbringen.

Die Zeit, die Kinder im organisierten Sport verbringen, führt zu einem deutlichen Kreativitäts-Abfall bei Jungerwachsenen, während freie sportliche Aktivitäten zu einem Kreativitäts-Anstieg führt. Es ist nicht der organisierte Sport an sich, welcher die Kreativität zerstört, sondern das Abhandenkommen von Pausen für sich selbst. Nur 2 Stunden in der Woche von unstrukturieren Aktivitäten, hebt die Kreativität von Kindern auf sehr hohe Level.

Eltern, nimmt es in die Hand!

Wie schützen wir als Eltern unsere Kinder in dieser neuen „normalen“ Gesellschaft?

Einfach in dem wir „Nein“ sagen. Wir schützen unsere Kinder und sagen Nein, so können wir Platz für sie frei schaufeln, wo sie einfach Kind sein können. Nein, Sam kann am Samstag nicht zur Geburtstagsfeier kommen. Nein, Sopie wird diese Woche kein Fussballtraining machen.

So stellen wir eine regelmäßige Auszeit her, in der sie Ruhe und Trost bekommen in dieser chaotischen Welt. Das bietet eine Freigabe von Anspannungen. Die Kinder wissen, dass sie sich auf etwas verlassen können und es erlaubt ihnen, sich zu erholen und zu wachsen, was einem unverzichtbarem Zweck in der kindlichen Entwicklung dient.

Wir filtern somit unnötige Beschäftigungen und vereinfachen ihr Leben. Wir sprechen am Essenstisch nicht über die globale Erwärmung mit einem 7-jährigen Kind. Wir schauen die Nachrichten, wenn das Kind im Bett ist. Wir entfernen überschüssiges Spielzeug aus ihren Zimmern, wenn sie schlafen. Wir stellen ihre Kindheit wieder her und honorieren sie.

Unsere Kinder müssen das ganze Leben Erwachsene sein und müssen mit den Komplexitäten des Lebens zurecht kommen und haben nur flüchtig Zeit, in welcher sie Kind sein dürfen. Verrückte, Spaß liebende Kinder.

Die Kindheit hat eine sehr große Absicht. Es ist nicht etwas, wo man „durch muss“. Sie muss geschützt werden und die jungen Seelen werden sich darin entfalten, nur so können sie gesunde und glückliche Erwachsenen werden. Wenn sich die Gesellschaft zu sehr mit der Kindheit misst, reagieren junge Gehirne. Durch das Anbieten eines Gespürs von Balance und Aktivität, die Kindheit zu schützen, geben wir unseren Kindern das größte Geschenk, welches sie jemals erhalten werden.

 


Quelle: raisedgood.com Übersetzung: Andrea Deelaia

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