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104-jähriger Herzchirurg schrieb Langlebigkeit veganer Ernährung zu

„Ich könnte jetzt sofort am offenen Herzen operieren. Meine Hände sind ruhig, meine Augen sind gut.“ Das sagte Dr. Ellsworth Wareham mit 100 Jahren, und niemand im Raum hatte Grund, daran zu zweifeln.

Wareham sagte diesen Satz 2015 dem CNN-Reporter Sanjay Gupta. Er mähte seinen Vorgarten selbst, fuhr selbst Auto und stieg mehrmals am Tag die Treppen seines zweistöckigen Hauses hinauf. Bis Mitte neunzig stand er im Operationssaal, mehr als 12.000 Eingriffe gehen auf sein Konto. Aufgehört hat er nicht, weil er nicht mehr konnte. Sein Team wollte ihn sogar halten. Er selbst entschied, dass jetzt die Familie dran war.

Was Wareham im OP an den Arterien seiner Patienten ertastete und warum ihn genau das vegan werden ließ, liest du gleich. Wie sechs Menschen mit einer Herz-Lungen-Maschine im Gepäck aufbrachen und die Herzchirurgie in mehr als ein Dutzend Länder brachten. Du erfährst, warum in einer Studie der Cleveland Clinic von 177 Herzpatienten, die bei pflanzlicher Kost blieben, nur ein Einziger ein neues schweres Ereignis erlitt. Und du lernst seine Philosophie kennen, mit der er nach eigenen Worten nie Stress hatte. Höchste Zeit, diesen Mann zu feiern!

Was er mit den Fingern im OP spürte

Ein Herzchirurg hat etwas, das kaum ein anderer Arzt hat: Er hält die Blutgefäße seiner Patienten buchstäblich in der Hand. Wareham tat das jahrzehntelang, und ihm fiel ein Unterschied auf, den er nicht mehr vergessen konnte. Die Arterien der Fleischesser waren voller Ablagerungen und fühlten sich knirschend an. Die Arterien der Menschen, die sich pflanzlich ernährten, waren geschmeidig. So beschreibt es der Langlebigkeitsforscher Dan Buettner, der Wareham für National Geographic besuchte, in seinem Nachruf auf der Blue-Zones-Seite. Genau diese Beobachtung machte Wareham zum Veganer. Ein Mann, der sein Leben lang Herzen reparierte, kam zu dem Schluss, dass das beste Herz eines ist, das gar nicht erst repariert werden muss.

Welche Lebensmittel die Gefäße von innen unterstützen, steht in diesem Beitrag über Lebensmittel für gesunde Arterien.


Die Studie, auf die er sich berief

Wenn Wareham erklärte, warum er so fit war, verwies er auf die Arbeit der Cleveland Clinic in Ohio. Dort zeigte der Chirurg Caldwell Esselstyn, dass sich eine Herzerkrankung mit fettarmer, rein pflanzlicher Kost aufhalten lässt. Die Zahlen aus seiner Folgestudie im Journal of Family Practice von 2014 sind, ehrlich gesagt, verblüffend: Von 177 Herzpatienten, die bei der pflanzlichen Ernährung blieben, erlitt in rund dreieinhalb Jahren ein Einziger ein erneutes schweres Ereignis, einen Schlaganfall. Von den 21 Patienten, die zur alten Kost zurückkehrten, waren es 13.

„Solange der Cholesterinwert unter 140 liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu bekommen, sehr gering. Mein Cholesterinwert beträgt 117. Ich würde noch nicht mal ein EKG machen lassen, wenn ich Schmerzen in der Brust hätte. Ein Drittel aller Menschen in den USA wird aufgrund koronarer Herzerkrankungen sterben. Man kann dem vorbeugen, und es ist die Mühe wert.“

Dr. Ellsworth Wareham

Das ist die Selbstsicherheit eines Mannes, der sein eigenes Herz so gut kannte wie kaum ein anderer. (Für uns alle anderen gilt natürlich: Wer Schmerzen in der Brust hat, lässt sich bitte sofort untersuchen.) Aber die Botschaft dahinter ist eine frohe: Man kann vorbeugen, und es lohnt sich.

Dr. Wareham im Interview

In diesem von Veggie Channel produzierten Interview mit deutschen Untertiteln erzählt Dr. Wareham selbst, wie er im hohen Alter ein gesundes und erfülltes Leben führt.

Lebensqualität statt bloßer Lebensjahre

Wareham zeigt, wie hoch die Lebensqualität auch im sehr hohen Alter sein kann. Nicht die Zahl der Jahre ist entscheidend, sondern wie man sie erlebt. Die moderne Medizin kann auch chronisch Kranke sehr alt werden lassen. Doch was ist das für ein Leben, im Bett, im Rollstuhl, im Pflegeheim, mit Medikamenten vollgepumpt? Dass es anders geht, zeigt die Ernährungsforschung seit Jahrzehnten. In was für einer moralisch verkommenen Welt leben wir eigentlich, in der die Profitinteressen der Tierindustrie und der Medizinindustrie mehr zählen als Gesundheit, Lebensqualität, Wahrheit und Moral?

Wareham hielt die fettarme vegane Ernährung, wie sie Prof. T. Colin Campbell und Dr. Esselstyn empfehlen, für die gesündeste überhaupt. Er predigte das nicht nur, er lebte es.

Ein Junge vom Bauernhof, der Arzt werden musste

Geboren wurde Wareham am 3. Oktober 1914 in Avinger, einem kleinen Ort in Texas. Mit sechs Jahren zog die Familie nach Alberta in Kanada, auf eine Farm. Dann kam die große Wirtschaftskrise. Weizen brachte 30 Cent pro Scheffel, Hafer und Gerste gerade sechs oder sieben. Von seinen Klassenkameraden schaffte keiner einen Hochschulabschluss. Eigentlich war damit alles gesagt.

War es aber nicht. In zwei Jahren ohne Schule wuchs in ihm eine Gewissheit, die er später so beschrieb: Der Wunsch, Medizin zu studieren, sei „so stark wie Hunger“ gewesen. Er musste es schaffen, egal was es kostete. 1942 schloss er sein Studium in Loma Linda ab. So erzählt es der Nachruf der Loma Linda University.

Sechs Menschen, eine Herz-Lungen-Maschine und ein Ruf nach Pakistan

Anfang der 1960er Jahre besuchte der damalige US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson Pakistan. Daraus entstand eine Einladung an das Team aus Loma Linda, in Karatschi Herzen zu operieren. Warehams Antwort war herrlich schlicht: Wenn ihr die Reise und den Transport der Geräte bezahlt, kommen wir. „Wir waren nur sechs Leute. Wir sind gegangen. Wir haben unsere Herz-Lungen-Maschine mitgenommen.“

Auf dieser ersten Reise sahen sie in Pakistan, Indien und Thailand rund 400 Patienten und operierten 55 von ihnen. Aus dem kleinen Trupp wurde das Loma Linda University Overseas Heart Surgery Team, gemeinsam mit der Kardiologin Joan Coggin. Es operierte in Pakistan, Indien, Thailand, Taiwan, Griechenland, Vietnam, Saudi-Arabien, Hongkong, Kenia, Simbabwe, China, Chile, Nordkorea und Nepal. Wo sie hinkamen, bauten sie Herzchirurgie-Programme auf oder brachten sie voran, und Warehams Laufbahn umfasste die ersten Operationen am offenen Herzen in vielen Ländern.

Und noch etwas gehört in diese Feier. Wareham war Lehrer und Vorbild für den Chirurgen Leonard Bailey, der 1985 die erste Herztransplantation bei einem Säugling durchführte. Wie viele Menschen heute leben, weil dieser Mann einmal „wir kommen“ gesagt hat, kann niemand zählen.

„Stress ist etwas Gemachtes“

Man könnte meinen, ein Herzchirurg mit 12.000 Operationen sei ein Mensch unter Dauerdruck. Wareham sah das komplett anders. „Was mich betrifft, ist Stress etwas Gemachtes“, sagte er zu Sanjay Gupta. Und dann, ganz trocken: „Ich hatte nie Stress.“

„Ich habe eine Philosophie: Du tust das Beste, was du kannst. Und über die Dinge, an denen du nichts ändern kannst, machst du dir keine Gedanken.“

Dr. Ellsworth Wareham im Gespräch mit Sanjay Gupta, CNN 2015

Das klingt fast zu einfach. Nur eine schöne Anekdote? Ist es nicht. Joan Coggin stand über Jahre mit ihm im OP, auch dann, wenn etwas schiefging. Sie erinnerte sich: „Ich habe ihn nie, wirklich nie, wegen irgendetwas aus der Fassung geraten sehen.“ Wo andere Chirurgen unter Druck laut wurden, sagte er in ruhigem Ton: Gut, dann machen wir jetzt dies und das.

Diese Ruhe kam nicht aus dem Nichts. Wareham sagte 2008 im Gespräch mit dem Fernsehmediziner Dr. Oz, es sei wichtig, dass ein Mensch Sicherheit und Frieden in seinem Leben habe, und er schöpfte sie aus seinem Vertrauen ins Leben und aus seinem Glauben. „Warum also herumsitzen und sich Sorgen machen?“ Vielleicht liegt genau hier ein Schlüssel, der oft übersehen wird: Das Denken zieht die Grenzen, nicht das Alter. Wie stark Dauerstress bis in die Zellen wirkt, zeigt der Beitrag darüber, wie Stress die Telomere verkürzt.

Ein ganz normaler Tag mit 100

Dr. Wareham stand um 5 Uhr morgens auf, nach acht bis neun Stunden Schlaf. Bevor er irgendetwas anderes tat, trank er drei Gläser Wasser, und auch über den Tag verteilt trank er regelmäßig. Er aß nur zweimal am Tag: um 10 Uhr Vollkorngetreide mit Mandelmilch und etwas Obst oder Nüssen, um 16 Uhr ein frühes veganes Abendessen mit viel Gemüse, Getreide und Nüssen.

Ein Fitnessstudio brauchte er nie, er bewegte sich lieber mit einem Ziel. Bis zu zehn Stunden pro Woche verbrachte er in Rasen und Garten, und die Treppen im Haus lief er mehrmals täglich. Selbst mit 95 fuhr er noch fast 100 Kilometer zur Klinik, um bei drei bis fünf Operationen pro Woche zu assistieren, von denen jede drei bis fünf Stunden dauerte. Warum ausgerechnet der Garten so ein Jungbrunnen sein kann, erklärt der Beitrag über Gartenarbeit und ein Leben bis 100.

Loma Linda, die blaue Zone mitten in Kalifornien

Wareham war kein Zufallstreffer. Er lebte in Loma Linda, der einzigen sogenannten Blue Zone der USA, also einer Region, in der Menschen auffallend lange und gesund leben. Die Adventisten dort leben laut CNN acht bis zehn Jahre länger als der amerikanische Durchschnitt. In den Cafeterias der Universität und des Klinikums gibt es nicht einmal Fleisch zu kaufen.

Die große Adventist Health Study 2 hat gut 73.000 Menschen begleitet. Das Ergebnis: Wer sich vegetarisch ernährte, hatte ein um 12 Prozent geringeres Sterberisiko als die Fleischesser, bei den Veganern lag der Wert sogar bei 15 Prozent. Und das, obwohl auch die Fleischesser unter den Adventisten im Schnitt nur wenig Fleisch essen. Eine zweite dieser blauen Zonen liegt am anderen Ende der Welt, mehr dazu im Beitrag über Okinawa.

68 Jahre Ehe und ein Rat, der sitzt

Während einer seiner Facharztausbildungen lernte Wareham die junge Krankenschwester Barbara kennen. 1950 heirateten sie, 68 Jahre blieben sie zusammen, bekamen fünf Kinder, später acht Enkel und sechs Urenkel. Als Oprah ihn nach dem Geheimnis seiner langen Ehe fragte, antwortete er ohne Zögern: „Begreife früh, dass du deinen Partner niemals ändern wirst.“

Und Barbara? Die wurde oft gefragt, ob ihr Mann nicht endlich in Rente gehen wolle. Ihre Antwort: „Lasst ihn in Ruhe. Er ist glücklich.“ Mehr Liebeserklärung geht kaum.

Bereicherung statt Verzicht

Warehams Leben zeigt keinen Mann, der auf etwas verzichtet hat, sondern einen, der bewusst gewählt hat, aus Wissen, aus Mitgefühl und aus Vertrauen. Vegan war für ihn keine Einschränkung, sondern ein Teil seiner Freiheit. Wer solche Lebensgeschichten liebt, findet im Beitrag über den japanischen Arzt, der 105 Jahre alt wurde, einen wunderbaren Seelenverwandten.

Am 15. Dezember 2018 starb Ellsworth Wareham mit 104 Jahren, und bis zuletzt aß er rein pflanzlich. Vielleicht ist das Schönste an seiner Geschichte, dass sie so einladend ist. Niemand muss morgen am offenen Herzen operieren oder 104 werden. Aber jeder von uns kann heute einmal hinhören, statt gleich dagegenzuhalten, einen Teller mehr mit Gemüse füllen, eine Sorge ziehen lassen, an der er ohnehin nichts ändern kann. Er hat es uns vorgelebt, ganz ruhig, mit geschmeidigen Arterien und einem leichten Herzen, und dieses Geschenk liegt für jeden von uns bereit, jeden Morgen aufs Neue.


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Welcher Gedanke von Dr. Wareham begleitet dich heute durch den Tag, seine Gelassenheit, sein Teller oder sein Mut? Wir freuen uns sehr, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren mit uns teilst.

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3 Kommentare
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Silvia
Silvia
11 Monate vor

Warum sagt ihr zu ihm Veganer ?
Man sagt doch zum Gegenteil auch nicht Allesfresser ….
Wir sind keine Veganer , wir ernähren und leben nur vegan .

Adelhaid
11 Jahre vor

Zahlendreher im Text: Im Video wird von einem Cholesterinwert von 140 geredet, im Text steht 150.
Wie auch immer, wenn das stimmt was er sagt, ist er auf jeden Fall der wohl am längsten sich vegan ernährende Mensch, der bekannt ist.

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