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Jun 13

Warum Stille viel wichtiger für dich und dein Gehirn ist, als du denkst

Wir leben in einer lauten und störenden Welt, wo die Stille immer schwieriger zu finden ist, – und das kann sich nicht nur negativ auf unser Gemüt auswirken, sondern ebenso unsere Gesundheit beeinflussen.

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In der Tat gibt es überwältigende Beweise, dass der Umgebungslärm negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat. 

Wir füllen unsere Ohren ständig mit Musik, TV und Radio News, Podcasts und natürlich einer Vielzahl von Tönen, die wir pausenlos in unseren Köpfen erschaffen. Dieser Lärm, dieses Gebrüll ist eine Krankheit. Es kann uns wirklich fertigmachen. Es stresst uns, wir fühlen uns niedergeschlagen, fressen den Frust in uns hinein, sind am Ende – erschlagen von den Aufs und Abs unserer technisierten Lebenswelten. Doch es gibt ein ganz einfaches Gegenmittel: Stille.

Denke einmal darüber nach, wieviele Momente du jeden Tag in völliger Stille verbringst? Die Antwort lautet wahrscheinlich, „fast keine“.

Da unsere internen und externen Umgebungen immer lauter werden, beginnen mehr Menschen die Stille zu suchen, ob durch die Praxis des ruhig Sitzens für 10 Minuten jeden Morgen, der Meditation oder den Rückzug in die Natur für mehrere Tage.

Bist du angeregt etwas Frieden und Ruhe zu finden?

Hier sind 4 wissenschaftlich-gestützte Gründe, warum Schweigen und Stille sich nur positiv auf dein Gehirn auswirken können:

1) Stille lindert Stress und Anspannung
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Ein nicht veröffentlichtes Papier aus dem Jahr 2004 von Umweltpsychologen Dr. Craig Zimring legt nahe, dass höhere Geräuschpegel in Neugeborenenintensivstationen zu Hochblutdruck führten, Herzraten vergrößerten und Schlaf-Muster störten. 

Lärm ist auch nichts anderes als Luftverschmutzung – nur lauter. Und tatsächlich zeigt sich, dass Lärm Stress verursachen, unseren Blutdruck steigen lassen und sogar das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigern kann.

Laute Geräusche aktivieren die sogenannte Amygdala in unserem Gehirn. Effekt: Die schüttet daraufhin verstärkt das Stresshormon Cortisol aus – mit all den klassischen Nebenwirkungen.

Genauso wie zu viel Lärm Stress und Anspannung verursachen, hat die Forschung festgestellt, dass Stille den gegenteiligen Effekt, die Freigabe der Spannungen im Gehirn und im Körper erzielt.

Bei einer Studie aus dem Jahr 2006 kam etwa heraus: Schon zwei Minuten absoluter Stille wirken Blutdruck senkend und beruhigender als Entspannungsmusik zu lausche

2) Stille füllt unsere mentalen Ressourcen

5 Wahrheiten des Lebens

All die (akustischen) Reize, die ständig auf uns einprasseln sind vor allem eines für unser Gehirn: ermüdend. Jede Information will schließlich eingeordnet und verarbeitet werden. Und je mehr Informationen das sind, desto stärker belastet das unseren präfrontalen Kortex und lässt unsere Konzentration rapide abnehmen. Wir leiden unter mentaler Erschöpfung.

Erschwerend kommt hinzu: Unseren Hörsinn können wir nicht bewusst kontrollieren. Unsere Ohren sind permanent auf Empfang. Wenn wir nichts sehen wollen, machen wir einfach die Augen zu; wenn wir nichts riechen wollen, halten wir uns die Nase zu. Aber Ohren zuhalten? Irgendwie hören wir trotzdem weiter – und sei es nur das Geräusch unserer Hände am Ohr. Selbst Oropax schirmen uns nicht zu 100 Prozent ab.

Umso wichtiger ist, bewusst Orte zu suchen, in denen nichts (oder nur kaum etwas) zu hören ist. Nur Stille. Die wiederum wirkt dann regelrecht erfrischend für Körper und Geist. Die Pause und Ruhe erlaubt unseren Gedanken komplexe Probleme zu durchdenken, Lösungen zu finden, kreativ zu werden, bessere Entscheidungen zu treffen.

Auch hier haben schon wenige Minuten akustische Auszeit einen enormen Effekt. Laut der Attention-Restoration-Theorie (PDF) reicht diese kurze Zeitspanne aus, damit unsere Gehirn sich selbst sortieren kann und all seine sieben Sinne wieder beieinander hat.

3) In der Stille können wir besser und kreativer denken 

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Im Gehirn gibt es ein sogenanntes Default Mode Netzwerk („Ruhezustandsnetzwerk“ oder „Standardnetzwerk“) – eine Gruppe von Hirnregionen, die dann aktiv werden, wenn es gerade keine bestimmte Aufgabe zu lösen hat und nicht durch Reize wie Geräusche stimuliert wird. Etwa dann, wenn wir meditieren, fantasieren oder unsere Gedanken einfach schweifen lassen.

Wenn das Gehirn im Leerlauf und von äußeren Reizen gelöst ist, können wir endlich unseren inneren Strom von Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und Ideen anzapfen. Das Engagieren dieses Netzes hilft uns, die Bedeutung aus unseren Erfahrungen zu schöpfen, sich in andere einzufühlen, kreativer zu sein und über unsere eigenen geistigen und emotionalen Zustände nachzudenken.

Um dies zu erreichen, ist es notwendig sich von den Ablenkungen, die in uns verweilen und wir auf den flachen Oberflächen des Verstandes halten, zu verabschieden. Inneres Schweigen ist der Weg, Stille zu finden.

In diesem Modus können wir viel besser auf unsere Emotionen und Erinnerungen zugreifen, unsere Ideen und Gedanken. Reflektieren fällt uns leichter. Wir erkennen den Sinn – die Zusammenhänge in unserem Leben – eher und können uns besser in andere Menschen hineinfühlen. Kreativer sind wir dabei ebenfalls.

Es ist, wie der schottische Philosoph Thomas Carlyle schrieb: „In der Stille werden die wahrhaft großen Dinge geboren.“ Dafür müssen wir jedoch den Stecker ziehen und uns für eine Weile von den Ablenkungen frei machen.

4) In der Stille wachsen die Gehirnzellen

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Auch wenn keinem davon der Kopf platzen wird: Stille regt tatsächlich das Wachstum unserer grauen Zellen an. 2013 gab es eine Studie, in der der Einfluss verschiedener Geräusche auf die Gehirne untersucht wurde: Umgebungsgeräusche, besonders hohe Geräusche, Hundejaulen sowie Stille. Eigentlich sollte die Stille nur als Unterscheidungsmerkmal der Kontrollgruppe dienen. Tatsächlich fanden die Forscher heraus, dass zwei Stunden täglicher Stille neue Zellen im Hippocampus wachsen ließ, jener Hirnregion, die mit dem Lernen, dem Gedächtnis und Emotionen verknüpft ist. Die neuen Hirnzellen fanden zudem schnell Anschluss im Restgehirn und konnten Funktionen im System übernehmen. Oder stark vereinfacht: Stille macht schlau

Innehalten

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Nimm dir eine Minute dieses geschäftigen Tages für diese kleine Übung: Setz dich still hin und schliesse die Augen. Nimm dir eine kurze Auszeit, inmitten all dessen, was du noch zu tun hast. Atme ein und atme aus; achte auf deinen Atem, wie er einströmt und ausströmt.

Sitze einfach still da, für etwa eine Minute.
Diese Stille mag dir wie Nichtstun erscheinen – und ja: Wir haben gelernt, dass das eine schlechte Sache ist. Wenn wir so was machen sind wir faul, passiv, es widerspricht unserer Arbeitsmoral. Und doch kann dieses einfache Nichtstun unsere Welt verändern. Stille beruhigt uns. Sie erschließt uns eine kleine Oase der Ruhe. In ihr können wir unsere Gedanken hören, sie erlaubt uns, unseren Atem wahrzunehmen, sie gibt uns den Raum, überhaupt mal wieder durchzuatmen. Sie ist das Gegengewicht gegen den Stress und die Ruhelosigkeit, die wir täglich wahrnehmen.

Die Kraft der Stille

“Stille ist eine Quelle großer Stärke.” – Lao Tse

Stille hat auch, auf die uns umgebende Welt, einen beruhigenden Effekt. Indem wir still werden, laden wir auch andere ein, runterzuschalten und aufmerksam zu werden. Unsere Ruhe beruhigt auch andere. Wir setzen den Rahmen für jene, die mit uns arbeiten und so möglicherweise auf andere Art mit uns in Kontakt treten.
Wenn wir in heilloser Eile und rastlos durchs Leben pflügen, stresst es andere und inspiriert sie, ebenso rastlos durchs Leben zu rasen. Stille hat den umgekehrten Effekt. Sie verlangsamt die Welt, erlaubt uns zu fokussieren, sie lädt uns ein zur Kontemplation, sie lädt uns zu den wesentlichen Dingen im Leben ein.
Es braucht Stärke Innezuhalten, wenn andere um uns herumeilen. Es braucht Mut anders zu sein, sich gegen die Strömung zu stellen. Doch wenn andere uns zunächst einmal seltsam finden, ist das in Ordnung. Manchmal sind es die Eigenartigen, die den größten Unterschied machen. Und bald schon, indem unsere Stille andere inspiriert, in ihre eigene Stille zu finden, werden wir nicht mehr länger die Seltsamen sein, denn es liegt Weisheit in unserem Handeln.
Es braucht Stärke Stille zu finden, wenn die Welt um uns herum ein Chaos von Aktivität ist. Doch es ist eine Stärke, die bereits in uns liegt, und wir brauchen sie nur zu finden. Paradoxerweise ist es gerade die Stille, die es uns ermöglicht, diese Stärke zu finden.

Sei still, schau nach innen, und sie wird dort sein.

Stille finden

Es ist ganz einfach, wirklich, und du brauchst noch nicht einmal mich, um dir das zu sagen: Um Stille zu finden, musst du dir nur die Zeit nehmen, still zu sitzen – an jedem Tag, an dem dir das möglich ist.
Finde eine Zeit am Morgen, wenn die Welt noch recht ruhig ist, um still zu sitzen. Tu nichts. Plane nicht deinen Tag, check nicht deine E-Mails, ess nichts.

Sitz einfach und lerne, es dir in der Stille wohl sein zu lassen.
Durch Übung finden wir uns nach und nach hinein und wir werden gut darin. Falls dir der Morgen nicht zusagt, suche dir eine Zeit während der Mittagspause oder nach der Arbeit oder am Abend.
Finde einen Ort, an dem du still sein kannst. Es kann ein Stuhl in deiner Wohnung sein, oder eine Veranda oder eine Ecke in deinem Schlafzimmer. Es kann eine Parkbank sein oder ein Strand oder ein Weg im Wald. Lass dies zu einem Ritual werden, dem du täglich entgegensiehst.
Von diesem kleinen Ort der Stille wird die Ruhe mit lindernder Kraft in den übrigen Tag ausstrahlen. Du wirst im Verlauf des Tages ruhiger sein und hier und da kleine Momente der Stille finden: Wenn du deinen Arbeitstag beginnst, wenn du dich hinsetzt und loslegst, wenn du deine Mahlzeit zu dir nimmst, wenn du Sport treibst, selbst inmitten einer Besprechung.
Übe dich in der Stille. Regelmäßig. Übe und lerne. Praktiziere Stille, und die Stille wird zu einer Leinwand, auf die du das Meisterwerk deines Lebens malen kannst.
Auch wenn Stille manchmal schwer auszuhalten sein kann, so suchen wir dennoch immer wieder nach etwas, das uns aus den Überdrehungen des Alltags heraus holt, etwas, das uns innerlich belebt und zum Kern unseres Lebens weist.

Heimkehr zur Wurzel heißt: Stille. Stille heißt: Rückkehr zur Bestimmung. Rückkehr zur Bestimmung heißt: Ewigkeit. Erkennen des Ewigen heißt: Erleuchtung!

– Laotse, Tao Te King –

 


Quellen: 

http://www.healthnutnews.com/science-says-silence-is-much-more-important-to-our-brains-than-we-think/

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