10 Pflanzen fürs Schlafzimmer, die deine Schlafqualität verbessern – und dich heilen, während du schläfst
10 Pflanzen fürs Schlafzimmer, die deine Schlafqualität verbessern und dich heilen, während du schläfst: Zwei drehen im Dunkeln ihre Atmung um, eine dockt im Gehirn an derselben Stelle an wie ein Beruhigungsmittel

Das Licht geht aus. Der Raum wird still, und für die nächsten acht Stunden passiert scheinbar nichts mehr. Scheinbar. Denn auf der Fensterbank beginnt in genau diesem Moment eine andere Schicht. Der Bogenhanf öffnet seine winzigen Blattporen, die er den ganzen Tag über geschlossen hielt. Der Jasmin gibt seinen Duft in die dunkle Luft ab. Und die Aloe neben dem Bett arbeitet still weiter, während du längst eingeschlafen bist.
Diese Nachtschicht ist keine Poesie, sondern Botanik. Hier bekommst du den kompletten Nachtfahrplan, zehn Pflanzen mit ihrer Spezialbegabung, den Duft, dessen Wirkung Forscher der Ruhr-Universität Bochum mit der von Beruhigungsmitteln verglichen haben, und eine Auswertung von elf Untersuchungen zu Lavendel und Schlaf. Höchste Zeit, das Schlafzimmer mit anderen Augen anzusehen.
Der Nachtfahrplan: Was zwischen Dämmerung und Morgen passiert
In der Schule haben wir alle dasselbe gelernt: Pflanzen geben tagsüber Sauerstoff ab, nachts machen sie es umgekehrt. Bei den meisten stimmt das auch. Bei einigen ist es genau andersherum, und diese sind für ein Schlafzimmer wie geschaffen.
Sie nutzen einen Stoffwechselweg, den die Forschung Crassulaceen-Säurestoffwechsel nennt, kurz CAM. Statt ihre Spaltöffnungen tagsüber aufzumachen, wenn die Hitze ihnen kostbares Wasser raubt, halten sie sie geschlossen und öffnen sie erst nach Sonnenuntergang. Das aufgenommene Kohlendioxid wird als Säure zwischengelagert und erst am nächsten Tag verarbeitet, bei fest verschlossenen Poren. Eine Vorratshaltung über Nacht, entstanden dort, wo Wasser das knappste Gut ist.
Der Fahrplan: Bei Dämmerung öffnen sich die Poren, in der tiefen Nacht läuft die Aufnahme auf Hochtouren und dabei entweicht Sauerstoff ins Zimmer, am Morgen schließt die Pflanze wieder. Ein Rhythmus, gegenläufig zu unserem. (Und ja, es hat etwas Tröstliches, dass da jemand wach ist, während wir schlafen.)
1) Jasmin, der Duft mit dem verblüffenden Andockplatz

Der Jasmin stammt aus den warmen Regionen Asiens, wo er sich als Kletterstrauch an allem hochzieht, was Halt bietet. Seine Blüten öffnen sich am Abend. Nicht aus Höflichkeit uns gegenüber, sondern weil seine Bestäuber nachts unterwegs sind.
Ein Team um den Bochumer Zellphysiologen Hanns Hatt hat Hunderte Duftstoffe geprüft. Zwei stachen heraus, darunter ein Bestandteil des Jasminduftes. Beide verstärkten die Wirkung des körpereigenen Beruhigungsbotenstoffs GABA um mehr als das Fünffache, und zwar an derselben Andockstelle, an der auch Narkose- und Beruhigungsmittel wirken. Nachzulesen im Journal of Biological Chemistry und in der Mitteilung der Ruhr-Universität Bochum. Ein Duft ohne Nebenwirkungen, ohne Abhängigkeit und ohne Rezept hat eben keine Lobby. Wie du eine Jasminpflanze zu Hause einsetzt, steht in unserem Beitrag Jasminpflanze gegen Angst und Stress.
2) Lavendel, der am besten untersuchte Schlafduft

Lavendel kommt von den trockenen Kalkhängen des Mittelmeers. Seine ätherischen Öle sind ursprünglich ein Schutzmantel gegen die Hitze. Dass sie auf uns beruhigend wirken, ist im Grunde ein Nebeneffekt, für den wir dankbar sein dürfen.
Eine Auswertung von elf Untersuchungen mit 628 Erwachsenen kam zu einem klaren Ergebnis: Lavendelöl verbesserte die Schlafqualität messbar. Und es bleibt nicht beim Gefühl. Als Freiwillige in einer weiteren Untersuchung Lavendelöl einatmeten, sanken Blutdruck und Herzfrequenz messbar, ein Zeichen, dass der Körper in den Ruhemodus wechselt. Im 19. Jahrhundert lagen Lavendelsäckchen zwischen Bettwäsche und Kleidung. Begründet wurde es mit Motten. Geschlafen hat man daneben trotzdem besser. Eine sommerliche Variante ist unser Rezept für Lavendel-Limonade.
Die Natur ist der Arzt, nicht du. Von ihr musst du lernen, nicht von dir.
Paracelsus, Arzt und Naturforscher
3) Rosmarin, der Wachmacher am Fenster

Rosmarin ist der ungewöhnlichste Gast in dieser Runde, denn er macht nicht müde, sondern das Gegenteil. In einer Untersuchung der Northumbria University rechneten Freiwillige in einem Raum voller Rosmarinduft. Je mehr des Duftstoffs 1,8-Cineol im Blut ankam, desto besser waren die Leistungen. Der Duft war also nicht nur in der Nase, er war im Kreislauf. Rosmarin gehört deshalb ans Fenster, nicht ans Kopfkissen. Mehr dazu in Der Duft von Rosmarin und die Gedächtnisleistung.
4) Aloe Vera, die Pflanze der Unsterblichkeit

Die Aloe stammt aus halbtrockenen Gebieten, in denen Regen die Ausnahme ist. Ihre dicken Blätter sind Wassertanks, und sie gehört zu den CAM-Pflanzen. Sie ist damit eine der wenigen Zimmerpflanzen, die während deines Schlafs Sauerstoff abgibt statt ihn zu verbrauchen.
Die alten Ägypter nannten sie „Pflanze der Unsterblichkeit“, wie eine Übersicht im Indian Journal of Dermatology festhält. Nofretete und Kleopatra sollen den Saft täglich verwendet haben. Ein Gewächs, das über dreitausend Jahre hinweg neben Menschen im Schlafgemach stand, hat sich seinen Platz auf deiner Fensterbank verdient. Die ganze Geschichte steht in Was Aloe Vera in deinem Körper macht. Sie braucht viel Licht und wenig Wasser. Ein Blattstück hilft bei kleinen Verbrennungen, verwende nur das klare innere Gel und spüle den gelben Saft unter der Schale ab.
5) Efeu, der Kletterer gegen Schimmelsporen

Efeu wächst in europäischen Wäldern an Stämmen empor, mit Haftwurzeln, die sich an rauem Holz festkrallen. Diese Kletterkraft hat er mit ins Wohnzimmer gebracht, weshalb er in einer Hängeampel am schönsten aussieht.
Auf einer Fachtagung des American College of Allergy, Asthma and Immunology wurde 2005 ein Versuch vorgestellt, der bis heute für Aufsehen sorgt. Die Forscher gaben verschimmeltes Brot in geschlossene Behälter, maßen die Sporen in der Luft und stellten dann Efeu dazu. Nach zwölf Stunden waren rund 78 Prozent der Schimmelsporen verschwunden. Wichtig dabei: Efeublätter und Beeren sind giftig. Er gehört an eine Stelle, an die Kinder und Tiere nicht herankommen.
6) Bogenhanf, der unverwüstliche Nachtarbeiter

Der Bogenhanf kommt aus dem trockenen Westafrika, man merkt es ihm an. Er verzeiht wochenlanges Vergessen, dunkle Ecken und schlechte Erde. Er ist der bekannteste CAM-Vertreter unter den Zimmerpflanzen: Er öffnet seine Poren nachts und gibt dabei Sauerstoff an dein Schlafzimmer ab, statt ihn wie die meisten Pflanzen zu verbrauchen. In der berühmten NASA-Untersuchung von 1989 gehörte er zu den Pflanzen, die Formaldehyd, Benzol und Trichlorethylen aus der Kammerluft holten, also genau jene Stoffe, die aus Spanplatten, Lacken und Teppichböden ausdünsten. Möbel gasen über Jahre aus, am stärksten im warmen Schlafzimmer.
7) Einblatt, die Feuchtigkeitsspenderin

Das Einblatt stammt vom schattigen Boden tropischer Regenwälder, wo kaum Licht ankommt und die Luft immer feucht ist. Beides bringt es mit: Es kommt mit wenig Licht aus und gibt viel Feuchtigkeit an den Raum ab. Im Winter ist das Gold wert, denn Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus. In den NASA-Versuchen gehörte es außerdem zu den Pflanzen, die flüchtige organische Verbindungen aufnehmen, also die Stoffe, die Schrank, Matratze und Teppich nachts ausdünsten. Wöchentlich gießen genügt, und wenn es die Blätter hängen lässt, sagt es dir Bescheid.
8) Grünlilie, die Stärkste im Test

Die Grünlilie trägt ihren Ruf als Anfängerpflanze zu Unrecht. Wolverton widmete ihr eine eigene NASA-Untersuchung zu Verbrennungsgasen, und dabei zeigte sich: Die Grünlilie nimmt Kohlenmonoxid über ihre Blätter auf, also jenes geruchlose Gas, das beim Verbrennen entsteht. In einer neueren Untersuchung holte sie zusätzlich zwischen etwa 47 und 85 Prozent des Formaldehyds aus der Luft und war damit die stärkste aller getesteten Pflanzen. Sie bildet Ableger an langen Trieben, die du abschneiden und einpflanzen kannst. Verschenken ausdrücklich erwünscht.
9) Efeutute, die Genügsame für Reisende

Herzförmige Blätter, lange Ranken, und eine Geduld, die ihresgleichen sucht. Ein paar Stunden Morgenlicht und einmal pro Woche Wasser reichen ihr, mehr will sie nicht. Auch sie stand auf der NASA-Liste. Die Blätter sind leicht giftig, sie gehört also nach oben.
10) Bergpalme, das grüne Zimmerklima

Die Bergpalme wächst im Unterholz mittelamerikanischer Bergwälder und braucht kein direktes Sonnenlicht. Sie bringt Höhe ins Zimmer, gibt Feuchtigkeit ab und stand ebenfalls unter Wolvertons Pflanzen. Erde feucht halten, nicht nass.
Der Effekt, der oft übersehen wird
Bei all der Chemie geht etwas unter, das genauso gut belegt ist und schneller wirkt. Für eine Untersuchung im Journal of Physiological Anthropology ließen Forscher junge Erwachsene abwechselnd eine Zimmerpflanze umtopfen und eine Bildschirmaufgabe erledigen. Nach der Arbeit mit der Pflanze war das beruhigende Nervensystem deutlich aktiver und der Blutdruck niedriger, nach der Bildschirmarbeit war es umgekehrt.
Die Erde in den Händen, ein Blatt abstauben, das neue Trieblein entdecken. Solche Handgriffe holen uns aus dem Kopf zurück in den Körper, und genau das fehlt abends, wenn die Gedanken kreisen. Eine Pflanze im Schlafzimmer ist nicht nur ein Filter, sie ist ein Anlass, langsamer zu werden.
Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit.
Hermann Hesse, Wanderung
Welche Pflanze passt zu deiner Schlafstimmung?
Such dir aus, was zu dir passt, statt zehn Töpfe auf einmal zu kaufen.
1) Geborgenheit und Duft: Jasmin und Lavendel, in Reichweite des Kopfkissens.
2) Klare, aufgeräumte Ruhe und wenig Zeit fürs Gießen: Bogenhanf. Streng, aufrecht, unverwüstlich.
3) Schlicht und nützlich: Aloe Vera auf die Fensterbank, wo die Sonne hinkommt.
4) Weiche Bewegung und Ranken an der Wand: Grünlilie, Efeutute oder Efeu in der Hängeampel.
5) Waldgefühl und weiche, feuchte Luft: Einblatt und Bergpalme zusammen in eine Ecke.
So machst du aus dem Schlafzimmer einen Nachtgarten
1) Blätter regelmäßig abstauben. Eine verstaubte Pflanze atmet schlechter, und die Handbewegung mit dem feuchten Tuch ist selbst schon ein kleines Abendritual.
2) Nicht zu viel gießen. Dauernasse Erde begünstigt genau den Schimmel, den wir loswerden wollten. Lieber seltener und dafür durchdringend.
3) Mischen. Ein paar duftende Pflanzen fürs Zurruhekommen, ein paar CAM-Pflanzen für die Nacht, eine für die Feuchtigkeit. Drei bis fünf Töpfe sind ein guter Anfang.
4) Den Rahmen nicht vergessen: kühl, dunkel, fester Rhythmus, weniger Bildschirm in der letzten Stunde. Pflanzen machen das Ganze schöner und ruhiger, sie sind nicht der einzige Hebel. Wenn dein Schlaf seit Längerem wirklich leidet, ist ärztlicher Rat der richtige nächste Schritt, und unser Beitrag Der beste Weg, um Schlafprobleme zu beheben gibt weitere Ansatzpunkte.
5) Ein Abendritual daraus machen. Licht dimmen, kurz zu den Pflanzen gehen, ein Blatt zwischen den Fingern, einmal am Jasmin riechen. Zwei Minuten, in denen das Schlafzimmer dein persönlicher Nachtgarten wird.
Wer tiefer in die Luftfrage einsteigen will, findet in unserer Übersicht 12 pflegeleichte Zimmerpflanzen für bessere Luft weitere Arten, und zur Wirkung ätherischer Öle passt unser Beitrag Duftmedizin und was mit deinen Lungen passiert.
Was an diesem Thema so gefällt: Es verlangt nichts von dir. Kein Programm, keine Disziplin, keine App. Nur einen Topf auf der Fensterbank und ein bisschen Aufmerksamkeit. Und dann arbeitet da jemand für dich, jede einzelne Nacht.
Empfehlungen zum Thema:
Wenn du dein Schlafzimmer begrünen möchtest, sind das die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) Bogenhanf als echte Zimmerpflanze*, der unverwüstliche Nachtarbeiter für die Ecke neben dem Bett.
2) Naturreines ätherisches Lavendelöl in Bio-Qualität*, ein bis zwei Tropfen auf einem Duftstein neben dem Kopfkissen.
3) Ein guter Zimmerpflanzen-Ratgeber*, damit aus drei Töpfen kein Friedhof, sondern ein kleiner Garten wird.
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Welche Pflanze steht bei dir im Schlafzimmer, und hast du einen Unterschied bemerkt, seit sie da ist? Wir freuen uns, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilst.









SchimmelPilzsporen in der Blumenerde sind auch nicht der Hit.. darüber wird leider nichts geschrieben…
Wir nutzen nicht das übliche Leitungswasser, sondern das Wasser, das aus unserer Umkehrosmoseanlage kommt. Das danken nicht nur die Pflanzen, die keine Schimmel-/Pilzsporen mehr entwickeln, wir sparen uns auch das Schleppen von Wasserflaschen….
Hochinteressant,werde ich glatt ausprobieren
Lieber Gerald,
dann lass uns doch bald wissen, wie es Dir mit Deinen Pflanzen ergeht. 🙂
Herzliche Grüße
Ramona