Zinnkraut, der vergessene Naturschatz: Wie Schachtelhalm Schwermetalle ausleitet, Knochen stärkt und die Haut verjüngt
Schachtelhalm: das uralte Unkraut, das Aluminium aus dem Gehirn zieht und Alzheimer und Demenz vorbeugen soll.

Die meisten Menschen reißen ihn aus und werfen ihn auf den Kompost. Ackerschachtelhalm gilt als lästiges Unkraut, hartnäckig, kaum kleinzukriegen. Und genau diese Pflanze begleitet die Menschheit schon seit der Steinzeit als Heilmittel, von Wunden über Nierenleiden bis zu Knochenbrüchen. Was wäre, wenn ausgerechnet das, was so viele bekämpfen, einer der unterschätztesten Naturschätze überhaupt ist?
Ähnlich ergeht es ja dem Löwenzahn. Auch er wird verteufelt, dabei gehört er zu den heilsamsten Pflanzen vor unserer Haustür, wie unser Beitrag über den Löwenzahn zeigt, der den Knochenaufbau besser fördert als Kalzium. Beim Schachtelhalm ist es kaum anders. Schauen wir genauer hin.
Was ist Schachtelhalm überhaupt?
Der Ackerschachtelhalm, botanisch Equisetum arvense, ist eine ausdauernde Pflanze und der bekannteste Vertreter einer uralten Gattung. Weltweit gibt es über 15 Arten, und sie alle stammen von Pflanzen ab, die im Erdaltertum so hoch wie Bäume wuchsen. Man kann es kaum glauben. Diese unscheinbaren grünen Stängel auf der Wiese sind im Grunde lebende Fossilien.
Schachtelhalm wächst gern dort, wo es feucht und nährstoffreich ist, an Wegrändern, auf Wiesen, an Gräben, fern von Straßen und gespritzten Feldern (wer ihn sammeln möchte, achtet am besten genau auf diesen Punkt). Verbreitet ist er in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, also auch bei uns. Und er hat eine echte Besonderheit: Er ist eine der reichsten Kieselsäure-Quellen im gesamten Pflanzenreich. So reich, dass man mit getrocknetem Schachtelhalm früher sogar Zinn und Metall polierte. Daher der alte Name Zinnkraut.
Historisch wurde die Pflanze als Saft, Tee oder Tinktur gegen Schwellungen, Blasen und Nierenleiden, Rheuma, Tuberkulose und allerlei Entzündungen eingesetzt. Klosterheilkunde, Volksmedizin, Kräuterbücher der frühen Neuzeit, überall taucht das Zinnkraut auf. Was unsere Vorfahren über Generationen beobachtet haben, schauen sich Forscher heute Stück für Stück genauer an.
Was steckt in dieser Pflanze?
Schachtelhalm ist randvoll mit Stoffen, die Entzündungen bremsen und Infektionen entgegenwirken. Vitamin C ist drin, dazu fast die ganze Reihe der B-Vitamine, Vitamin E und K. An Mineralstoffen finden sich Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Zink und Kupfer. Und dann die Pflanzenstoffe: Flavonoide, Phenole, Chlorophyll und vor allem Kieselsäure, also pflanzlich gebundenes Silizium.
Bei so einem Profil wundert es kaum, dass die Pflanze bei ganz unterschiedlichen Beschwerden helfen kann. Schauen wir uns die wichtigsten Wirkungen einzeln an.
Kieselsäure für Haut, Haare und Nägel
Kieselsäure ist ein stiller Baustein unserer Schönheit. Sie ist beteiligt an der Bildung von Kollagen, dem Gerüststoff, der Haut, Haare und Nägel zusammenhält. Wird er knapp, zeigt sich das oben: dünner werdendes Haar, brüchige Nägel, schlaffere Haut.
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Untersuchung wuchs bei einer Gruppe von Frauen mit dünnem Haar das Haar sichtbar nach, es wurde voller und dicker, nachdem sie ein Präparat mit Schachtelhalm einnahmen, wie diese in einer Fachzeitschrift veröffentlichte Studie zeigt. Bei brüchigen Nägeln wiederum besserte ein schachtelhalmhaltiges Mittel das Splittern und die Längsrillen deutlich. Kieselsäure regt die Kollagenbildung an, und mehr Kollagen heißt straffere, glattere, lebendigere Haut. Genau deshalb gilt Schachtelhalm als sanftes Anti-Aging aus der Wiese.
Wer beim Thema Haarwachstum tiefer einsteigen mag, findet bei uns ein einfaches Rezept dazu, nachzulesen in unserem Beitrag wie du Haarausfall stoppst und dein Haar schneller wachsen lässt.
Wundheilung und gereizte Haut
Schachtelhalm wird seit Menschengedenken aufgelegt, um Wunden schneller heilen zu lassen. Der englische Kräuterkundige Nicholas Culpeper griff schon im 17. Jahrhundert darauf zurück, um Blutungen zu stillen und entzündete Haut zu beruhigen.
Und die moderne Forschung? Die bestätigt das alte Wissen erstaunlich konkret. In einer doppelblinden klinischen Studie an 108 Müttern nach der Geburt half eine dreiprozentige Schachtelhalm-Salbe nachweislich bei der Wundheilung und linderte die Schmerzen nach einem Dammschnitt, wie Forscher in dieser placebokontrollierten Untersuchung belegen. Die Frauen in der Schachtelhalm-Gruppe heilten schneller und brauchten weniger Schmerzmittel. Die Vermutung der Forscher: Die Kieselsäure hilft, die Wunde zu verschließen, während die Flavonoide Infektionen vorbeugen.

Schachtelhalm zieht Schwermetalle aus dem Körper
Jetzt wird es richtig brisant. Schwermetalle belasten unseren Körper schwer. Sie stehen mit Krebs in Verbindung, mit Nervenerkrankungen wie Alzheimer und Demenz, mit Verdauungsproblemen und Autoimmunreaktionen. Und Schachtelhalm gehört zu den am besten dokumentierten Pflanzen, die unserem Körper helfen, sie wieder loszuwerden.
Ähnlich wie Koriander zieht Schachtelhalm Schwermetalle regelrecht aus dem Boden und remineralisiert ihn. Dasselbe tut er in gewissem Maße auch in uns. Wie schafft er das? Über die Kieselsäure. Silizium senkt die Aluminiumbelastung im Körper teils drastisch, indem es sich an das Aluminium bindet und es über den Urin hinausschleust. Mehr über die stille Gefahr durch Aluminium liest du in unserem Beitrag über Aluminium im Trinkwasser und den Verdacht auf Alzheimer, und welche Lebensmittel du besser meidest, zeigen wir dir hier, warum aluminiumhaltige Nahrungsmittel dein Gehirn belasten.
Wie weit das reicht, deutet eine Studie um den Aluminium-Forscher Christopher Exley an. Über zwölf Wochen tranken Menschen mit Alzheimer und eine Vergleichsgruppe täglich etwa einen Liter siliziumreiches Wasser. Das Ergebnis, nachzulesen in dieser klinischen Untersuchung im Journal of Alzheimer’s Disease: Das Silizium beförderte das Aluminium über den Urin aus dem Körper, ohne lebenswichtige Metalle wie Eisen und Kupfer mit auszuschwemmen. Und bei mindestens drei von fünfzehn Alzheimer-Patienten zeigte sich sogar eine klinisch bedeutsame Verbesserung der geistigen Leistung. Das ist ein erster, vorsichtiger, aber bemerkenswerter Hinweis darauf, dass sich die Aluminiumlast im Gehirn senken lässt. Bei einer so ernsten Erkrankung wie Alzheimer gehört eine solche Pflanze natürlich in die Hände erfahrener Begleiter, eines Heilpraktikers und ärztlicher Betreuung, die den Weg mitgehen. Sie ist ein Baustein, kein Ersatz.
Und genau hier lohnt die stille Frage, die hinter so vielen Gesundheitsthemen steht: Warum hören wir von einem so einfachen, billigen Ansatz wie siliziumreichem Wasser oder Schachtelhalmtee in den großen Medien so selten? An der Pflanze lässt sich nun einmal wenig verdienen. Wer mehr über pflanzliche Schwermetall-Ausleitung wissen möchte, findet bei uns auch einen Beitrag dazu, wie ein Kraut binnen 42 Tagen bis zu 80 Prozent der Schwermetalle ausleiten soll.
Entzündungen sanft bremsen
Schachtelhalm wirkt entzündungshemmend, und das ist kein Zufall. Er bringt die Zellen dazu, weniger Entzündungsbotenstoffe zu bilden, und die Kieselsäure hilft, die Immunantwort auszubalancieren. Für Menschen mit Gelenkverschleiß kann das ein Segen sein.
Spannend ist auch ein anderer Befund. Schachtelhalm enthält viel Kynurensäure, einen Stoff mit entzündungshemmenden, antioxidativen und schmerzlindernden Eigenschaften, wie Forscher in dieser Untersuchung zu anti-rheumatischen Kräutern festhalten. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis ist dieser Stoff in der Gelenkflüssigkeit auffällig niedrig. Die Forscher schlossen daraus, dass Kräuter mit hohem Gehalt dieses Stoffes eine sinnvolle begleitende Maßnahme bei rheumatischen Erkrankungen sein können. Gegen gereizte Haut, etwa bei Ekzemen oder Akne, kann man Schachtelhalmtee übrigens auch äußerlich anwenden, als kühlende Auflage oder Gesichtswasser nach dem Waschen.
Ruhe für die Nerven und besserer Schlaf
Schachtelhalm enthält das Flavonoid Isoquercetin, das mild und sanft beruhigend wirkt. Dazu kommt der Kalziumgehalt, und Kalzium ist ein Mineral, das die Nerven besänftigt. Eine Tasse Schachtelhalmtee am Abend gilt deshalb als kleines Hausmittel gegen innere Unruhe, Reizbarkeit und Einschlafprobleme. Manchmal sind es ja genau die leisen Mittel, die uns guttun.
Starke Knochen durch Kieselsäure
Bei Knochengesundheit denken die meisten sofort an Kalzium. Dabei ist Silizium der eigentliche Architekt im Hintergrund. Es regt die knochenbildenden Zellen an, indem es die Kollagenbildung ankurbelt, also das Gerüst, in das Kalzium und andere Mineralien erst eingelagert werden. Gleichzeitig bremst es den Knochenabbau. So bleiben die Mineralien dort, wo wir sie brauchen, nämlich im Knochen, wie diese Übersichtsarbeit zu Silizium und Knochengesundheit zeigt.
In einer italienischen Untersuchung verbesserte sich die Knochendichte bei Frauen, die Schachtelhalm-Extrakt erhielten, statistisch deutlich. Und spätere Laborarbeiten fanden, dass der Extrakt die knochenbildenden Zellen anregt und den Knochenabbau bremst. Was die Volksheilkunde bei Brüchen seit jeher nutzte, ergibt biochemisch also durchaus Sinn.
Hinweise aus der Krebsforschung
Auch hier gibt es vorsichtig stimmende Signale. Eine Untersuchung prüfte verschiedene Schachtelhalm-Extrakte und fand, dass sie das Wachstum von Krebszellen hemmten, ohne gesunde Zellen zum Wuchern anzuregen, wie Forscher in dieser Studie zur antioxidativen und wachstumshemmenden Wirkung dokumentieren. Die Autoren sehen in Schachtelhalm eine leicht zugängliche Quelle natürlicher Antioxidantien. Das sind Labor- und Tierbefunde, kein Freifahrtschein und keine Heilung. Aber sie zeigen, dass diese alte Pflanze noch lange nicht auserforscht ist. Wen das Thema Pflanzenkraft gegen Krebszellen interessiert, der findet bei uns auch einen ganzen Beitrag über den Löwenzahnwurzel-Extrakt und Krebszellen.
Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.
Paracelsus
So wendest du Schachtelhalm an
Das Schöne: Die Anwendung ist einfach, innerlich wie äußerlich. Für einen kräftigen Auszug nimmst du eine Handvoll getrockneten Schachtelhalm, etwa eine halbe Tasse, und kochst ihn rund zehn Minuten in zwei Tassen Wasser. Danach lässt du das Ganze noch eine bis mehrere Stunden ziehen. Je länger, desto kräftiger und nährstoffreicher wird der Auszug.
Diesen Auszug kannst du vielseitig nutzen:
1) Als Haarspülung. Nach dem Ziehen abseihen und nach dem Waschen über die Haare geben, für mehr Kraft und Fülle.
2) Als Gesichtswasser. Abgeseiht als Tonic auf die gereinigte Haut, oder eine Tuchmaske darin tränken und bis zu einer halben Stunde auflegen.
3) Bei Halsschmerzen. Den Auszug mit etwas Meersalz mischen und mehrmals täglich damit gurgeln.
4) Bei Zahnfleischentzündung. Drei- bis viermal täglich damit spülen, bis es besser wird.
Auch ein Schachtelhalm-Bad tut der Haut gut und wird traditionell bei Blasenbeschwerden genutzt. Dafür etwa zehn Teelöffel getrockneten Schachtelhalm zehn bis fünfzehn Minuten in einem Liter Wasser ziehen lassen, abseihen und ins Badewasser geben. Wer es bequemer mag, greift zu Tinktur oder Kapseln. Innerlich getrunken entfaltet der Tee dieselben wertvollen Inhaltsstoffe.
Worauf du achten solltest
So sanft die Pflanze ist, ein paar Dinge gehören gesagt. Bei Bluthochdruck, der mit den Nieren zusammenhängt, sollte man Schachtelhalm meiden, weil er die Nieren reizen kann. Auch wer zu kieselsäurehaltigen Nierensteinen neigt, lässt besser die Finger davon. Und Schachtelhalm sollte nicht dauerhaft eingenommen werden. Eine gängige Empfehlung lautet, ihn höchstens einen Monat am Stück anzuwenden oder bei längerer Anwendung alle drei Wochen eine Woche zu pausieren. Bei chronischen Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei der Einnahme von Medikamenten gilt: erst mit einem erfahrenen Heilpraktiker oder Arzt sprechen.
Beim Sammeln noch ein Wort der Vorsicht. Der giftige Sumpf-Schachtelhalm ähnelt dem Ackerschachtelhalm. Wer nicht ganz sicher in der Bestimmung ist, kauft die getrocknete Ware lieber in geprüfter Qualität.
Am Ende bleibt ein schöner Gedanke. Diese Pflanze steht seit der Steinzeit auf unseren Wiesen und trägt eine ganze Apotheke in sich. Vielleicht ist es Zeit, das Unkraut von gestern mit anderen Augen zu sehen. Der größte Schatz liegt manchmal direkt vor der Haustür.
Empfehlungen zum Thema:
Wenn du Schachtelhalm einmal ausprobieren möchtest, hier die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) Schachtelhalm getrocknet (Bio)*, ideal für Tee, Auszüge, Haarspülung und Bäder.
2) Schachtelhalm-Tinktur*, praktisch für unterwegs und einfach zu dosieren.
3) Schachtelhalm-Kapseln mit Kieselsäure*, für alle, die es lieber unkompliziert mögen.
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Dies ist ein sensibles Gesundheitsthema. Schachtelhalm kann eine wohltuende natürliche Begleitung sein, ersetzt bei ernsten Erkrankungen aber keine fachkundige Behandlung. Im Zweifel hole dir den Rat eines erfahrenen Heilpraktikers oder Arztes.








