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Zwei Öle statt Chemiekeule: So schützt du dich und deine Tiere natürlich vor Zecken

Sobald die Temperaturen steigen, sind Zecken und Stechmücken wieder unterwegs und freuen sich auf ihre erste Blutmahlzeit des Jahres. Durch die milden Winter sind die kleinen Plagegeister inzwischen fast das ganze Jahr über aktiv. Auch vor unseren Gärten machen sie nicht Halt. Und weil die Stiche dieser Insekten immer öfter allergische Reaktionen und schwerwiegende Erkrankungen auslösen, ist der beste Schutz noch immer derselbe: den direkten Kontakt gar nicht erst zulassen.

Zecke

Bild: © Carola Schubbel – Fotolia.com

Die gute Nachricht vorweg. Du musst dafür nicht zur Apotheke. Zwei Öle, die viele von uns ohnehin im Schrank stehen haben, reichen in den meisten Fällen schon aus. Und sie tun das, wofür synthetische Mittel oft mit deutlichen Warnhinweisen daherkommen, ganz ohne Nebenwirkungen.

Kokosöl: Eine Fettsäure, die Zecken den Appetit verdirbt

Forscher der Freien Universität Berlin haben etwas herausgefunden, das auf den ersten Blick fast zu schlicht klingt. In einer vielzitierten Studie von Dautel, Hilker und Kahl zeigte sich: Schon eine Laurinsäure-Lösung in geringer Konzentration bietet einen guten Schutz vor Zecken. Laurinsäure, auch Dodecansäure genannt, ist eine Fettsäure, die in naturbelassenem Kokosöl zu etwa der Hälfte steckt. Sie wirkt auf die Tiere wie ein Abwehrstoff und macht uns als Wirt schlicht uninteressant.


Was die Sache so bemerkenswert macht, ist der Vergleich mit dem Klassiker DEET. Laut der Berliner Untersuchung erreicht die natürlich vorkommende Dodecansäure eine ähnliche Wirkung gegen Zecken schon in rund zehnfach geringerer Konzentration. Die beste getestete Formulierung hielt die Tiere etwa sechs bis acht Stunden lang vom Anbeißen ab, vergleichbar gut wie das kokosölbasierte Vergleichsprodukt und teils besser als ein synthetisches Mittel.

Auch ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt von 2013 weist auf die abschreckende Wirkung von natürlichem Kokosöl hin, genauer gesagt auf die darin enthaltenen Fettsäuren (siehe dort Seite 2, Abschnitt Fettsäuren). Es ist also nicht bloß Küchenweisheit. Es steht in der Fachliteratur. Wie vielseitig dieses Öl darüber hinaus ist, haben wir in unserem Beitrag über 101 gute Gründe für Kokosöl als natürliches Heilmittel ausführlich beschrieben.

Eine wichtige Entdeckung, zumal synthetisch hergestellte Verbindungen meist ein nicht von der Hand zu weisendes toxikologisches Risiko für Mensch und Tier mitbringen. Von der Anwendung von DEET bei Kleinkindern und Säuglingen wird generell abgeraten. Kokosöl dagegen ist frei von chemischen Zusätzen, rein natürlich, gut hautverträglich. Es kann schon bei den Kleinsten zum Schutz vor Zecken und Stechmücken verwendet werden, und es muss nicht einmal wieder abgewaschen werden.

Genau dieser alte Satz aus der Kloster- und Heilkunde trifft den Kern. Was Paracelsus vor fast fünfhundert Jahren formulierte, bestätigt die moderne Toxikologie heute. Es geht nicht darum, dass alles Synthetische böse wäre. Aber wenn ein simples Öl dieselbe Aufgabe erfüllt wie ein Stoff, der mit Anwendungsbeschränkungen für Kinder daherkommt, dann darf man durchaus fragen, warum wir nicht öfter davon hören.

Schwarzkümmelöl: Der zweite stille Helfer

Und damit zum zweiten Öl, das in dieser Geschichte eine viel zu kleine Rolle spielt. Schwarzkümmelöl, gewonnen aus den Samen von Nigella sativa, ist in der orientalischen Heilkunde seit Jahrtausenden bekannt. Bei uns kennt man es eher als Mittel gegen Allergien. Dass es auch Zecken vergrault, hat ausgerechnet ein Schüler ins Gespräch gebracht.

Der damals elfjährige Alexander Betz gewann 2014 beim Wettbewerb Jugend forscht einen Preis mit einer verblüffend einfachen Versuchsanordnung. In einem Y-förmigen Röhrchen lockte er Zecken mit Blut oder Schweiß in den einen Arm, in den anderen gab er eine Probe mit Schwarzkümmelöl. Das Ergebnis: Die Tiere mieden die Seite mit dem Öl auffällig oft. Sein Vater, ein Tierarzt, sorgte später dafür, dass aus der Schülerarbeit eine ernsthafte Diskussion wurde.

Inzwischen gibt es dazu auch handfeste Forschung. Eine Studie im Pakistan Veterinary Journal von 2023 hat das ätherische Öl von Nigella sativa systematisch geprüft. In der Abwehrwirkung erreichte es in 20-prozentiger Verdünnung einen Schutz, der sich statistisch nicht von DEET unterscheiden ließ. Zusätzlich tötete das Öl Zecken in höherer Dosierung sogar ab, und zwar abhängig von der Konzentration. Als wirksamster Bestandteil identifizierten die Forscher den Pflanzenstoff Nerol.

Das deckt sich mit einer älteren Arbeit von Carroll und Kollegen aus dem Jahr 2016, die Auszügen aus Nigella sativa ebenfalls eine abweisende Wirkung gegen mehrere Zeckenarten bescheinigte. Gegen die Nymphen der Braunen Hundezecke lag die Abwehrwirkung dort je nach Auszug bei satten 96 bis 100 Prozent. Ehrlich gesagt ist die Datenlage bei Schwarzkümmelöl noch dünner als bei Kokosöl, das gehört zur Wahrheit dazu. Die meisten Versuche stammen aus dem Labor oder aus der Tiermedizin, große Studien am Menschen fehlen bislang. Aber die Richtung ist eindeutig, und sie passt zu dem, was viele Tierhalter längst aus eigener Erfahrung berichten. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du in unserem Beitrag über die erwiesenen Vorteile von Schwarzkümmelöl noch viele weitere Anwendungsgebiete dieses besonderen Öls.

Ein kleiner Hinweis, der oft untergeht: Schwarzkümmelöl wird gern auch innerlich gegeben, etwa über das Futter, damit sich der Geruch über die Haut verteilt. Bei Katzen ist hier allerdings Vorsicht geboten, weil sie bestimmte Pflanzenstoffe schlechter abbauen als Hunde. Im Zweifel lohnt sich ein Gespräch mit dem Tierarzt deines Vertrauens, bevor du es bei deiner Samtpfote einsetzt.

Nicht nur für uns: Hunde, Katzen, Kaninchen und sogar Pferde

Der schöne Nebeneffekt ist, dass auch unsere Tiere von beiden Ölen profitieren. Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen vertragen das äußerlich aufgetragene Kokosöl in der Regel gut. Die Wirkdauer ist zwar etwas kürzer als bei chemischen Spot-ons, dafür ist eben auch nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen. Wer einmal das Kleingedruckte auf herkömmlichen Präparaten aufmerksam liest, merkt schnell, dass man es dort teils mit recht gesundheitsschädlichen Mitteln zu tun hat. Dass die Küche und die Natur oft die sanftere Antwort bereithalten, zeigen wir auch in unserem Beitrag über sanfte Hausmittel, die natürlicher wirken als manches Medikament.

Selbst Pferdebesitzer greifen zu diesen Ölen. Sie reiben ihre Tiere ein, um ihnen die Attacken von Kriebelmücken und Bremsen zu ersparen und dem lästigen Sommerekzem entgegenzuwirken. Offenbar mit Erfolg. Gerade beim Pferd hat sich Schwarzkümmelöl als Ergänzung im Futter einen Namen gemacht, oft in Kombination mit dem äußerlich aufgetragenen Kokosöl. Zwei Öle, eine Idee.

So einfach ist die Anwendung

Kokosöl lässt sich kinderleicht auftragen und darf bedenkenlos mehrmals am Tag erneuert werden. Schon eine kleine Menge auf Haut oder Fell genügt, das Öl ist sehr ergiebig. Es muss nicht abgewaschen werden und kann ruhig auf der Haut oder im Fell verbleiben. Vor einem Spaziergang einfach die unbedeckten Stellen einreiben, bei Tieren besonders an Bauch, Beinen und hinter den Ohren, dort wo sich Zecken gern festsetzen.

Schwarzkümmelöl verwendest du am besten verdünnt. Ein paar Tropfen, ins Kokosöl gemischt, ergeben eine angenehme Mischung, die beides verbindet: die Fettsäuren des einen, die ätherischen Stoffe des anderen. (Ich gebe zu, der Geruch ist gewöhnungsbedürftig, aber man hat sich schneller daran gewöhnt, als man denkt.) Wichtig ist nur, sparsam zu bleiben und nach einigen Stunden nachzulegen, denn die ätherischen Stoffe verflüchtigen sich nun einmal schneller als ein chemischer Langzeitschutz.

Natürlich schützt kein Mittel zu hundert Prozent, auch diese beiden nicht. Nach jedem Aufenthalt im Grünen lohnt sich der prüfende Blick, bei uns und bei den Tieren. Aber wer die Wahl hat zwischen einem Öl, das obendrein Haut und Fell pflegt, und einem Mittel, dessen Beipackzettel sich liest wie eine Warnliste, der hat im Grunde schon entschieden. Warum zur Chemiebombe greifen, wenn zwei einfache Öle die Blutsauger genauso gut vom Hals halten?


Empfehlungen zum Thema:

Wenn du es selbst ausprobieren möchtest, hier die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) Bio Kokosöl, nativ und kaltgepresst*, der Klassiker mit hohem Laurinsäure-Anteil, gleichzeitig Pflege für Haut und Fell.
2) Schwarzkümmelöl, kaltgepresst und bio*, ideal zum Verdünnen oder als Futterergänzung für Hund und Pferd.
3) Ratgeber natürlicher Zeckenschutz*, für alle, die tiefer einsteigen und ihre Tiere chemiefrei schützen möchten.
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3 Kommentare
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Eugenia Kühn
Eugenia Kühn
3 Jahre vor

Ich habe versucht, bei unserem Hund Kokosöl anzuwenden. Leider wehrte sich unsere Hündin tapfer dagegen und Kokosöl wurde von ihr immer wieder abgeleckt, bevor wir Gassi gingen. Es hilft aber eine Gabe von Vitamin B in der Form von Tabletten in ein Stück Käse eingedrückt. Unsere Hündin bringt definitiv keine Zecken, Flöhe nach Hause, obwohl es von Tieren (Hunde, Katzen, Pferden und auch einige Waldbewohner) bei uns im Dorf nur so wimmelt. Kokosöl bekommt sie aber auch gern ins Futter.

Bernie
Bernie
2 Jahre vor
Antwort auf  Eugenia Kühn

Das ist ja Interessant, wieder was dazu gelernt.

Lothar
Lothar
4 Jahre vor

Nicht zu vergessen die sonnenschützende Wirkung des Kokosöls – so erhält man Zecken- und Sonnenschutzmittel in Einem!