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Studie: Das Blut von Veganern bremst Krebszellen 8-mal stärker als das Blut von Mischköstlern

Forscher gaben das Blutserum von 93 Männern auf lebende Prostatakrebszellen. Bei der einen Gruppe wuchsen die Zellen fast ungestört weiter, bei der anderen wurde das Wachstum um 70 Prozent gehemmt. Dazwischen lag ein Jahr pflanzliche Kost, tägliche Bewegung und eine Stunde Ruhe am Tag.

Eine Petrischale, darin lebende Prostatakrebszellen, darüber eine Pipette mit Blutserum. Die Zellen bekommen das Serum als Nährboden, und nach ein paar Tagen wird gemessen, wie stark sie gewachsen sind. Genau das hat ein Team um Prof. Dr. Dean Ornish getan, mit dem Blut von 93 Männern. Das Serum der Männer, die ein Jahr lang vegan gegessen hatten, bremste das Krebswachstum um 70 Prozent. Das Serum der Vergleichsgruppe schaffte 9 Prozent.

In dieser Studie steckt mehr als die eine Zahl. Sechs Männer aus der Vergleichsgruppe mussten im Lauf des Jahres doch operiert oder bestrahlt werden, aus der veganen Gruppe kein einziger. Ein zweites Forscherteam brauchte bei Brustkrebszellen nur 14 Tage, um etwas ganz Ähnliches zu sehen. Und später zeigte sich, dass sich im Gewebe der Männer rund 500 Gene anders verhielten als vorher. Was auf ihren Tellern lag, kannst du dir in deinen Alltag holen.

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93 Männer, ein Jahr und eine ungewöhnliche Entscheidung

Dean Ornish war längst kein Unbekannter. Der Arzt hatte gezeigt, dass sich die koronare Herzkrankheit, in den Industrieländern Todesursache Nummer eins, mit fettarmer vegetarischer Vollwertkost, Bewegung und Stressabbau stoppen lässt und verengte Herzkranzgefäße sich sogar wieder weiten, ohne Cholesterinsenker. Jetzt ging es um Krebs.


Alle 93 Teilnehmer hatten Prostatakrebs im Frühstadium. Und alle hatten sich gemeinsam mit ihren Ärzten zunächst gegen Operation und Bestrahlung entschieden, für das beobachtende Abwarten. So ließ sich prüfen, was eine Lebensstiländerung allein bewirkt, ohne dass eine Therapie das Bild verwischt.

Das Los entschied. 44 Männer kamen ins Programm, 49 lebten weiter wie bisher. Und das Programm hatte es in sich: vegane Vollwertkost aus Obst, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten mit nur etwa zehn Prozent Fett, an sechs Tagen der Woche eine halbe Stunde zügiges Gehen, täglich eine Stunde sanftes Yoga, Atemübungen und Meditation, dazu einmal pro Woche ein Gruppentreffen. (Ergänzt wurde das Ganze um Vitamin C, Vitamin E, Selen und Omega-3-Fettsäuren, damals noch aus Fischöl. Heute gibt es sie rein pflanzlich aus Algenöl.)

Nach zwölf Monaten war der PSA-Wert, der wichtigste Verlaufsmarker bei Prostatakrebs, in der Programmgruppe um 4 Prozent gesunken. In der Vergleichsgruppe war er um 6 Prozent gestiegen. Das klingt nach wenig. Aber in der Vergleichsgruppe schritt die Krankheit so weit voran, dass sechs Männer das Abwarten abbrechen mussten und operiert, bestrahlt oder hormonell behandelt wurden. In der veganen Gruppe: keiner.

Dann kam die Petrischale. Im „Journal of Urology“ steht das Ergebnis in einem nüchternen Satz:

„The growth of LNCaP prostate cancer cells was inhibited almost 8 times more by serum from the experimental than from the control group (70% vs 9%).“

Dean Ornish und Kollegen, Journal of Urology, 2005

Auf Deutsch: Das Blut der vegan lebenden Männer hemmte das Wachstum der Krebszellen fast achtmal stärker. Auffällig dabei, und selten erwähnt: Je konsequenter ein Mann das Programm umsetzte, desto stärker bremste sein Blut. Eine Dosis-Wirkung, wenn man so will, nur aus Gemüse, Bewegung und Ruhe.

Bei Brustkrebszellen reichten 14 Tage

Ein zweites Experiment zeigt, wie schnell das gehen kann. In Los Angeles stellte ein Team um James Barnard Frauen nach den Wechseljahren auf eine fettarme Kost mit sehr vielen Ballaststoffen um und schickte sie täglich zum Bewegungskurs. Nach nur zwei Wochen bremste ihr Blutserum drei verschiedene Brustkrebs-Zelllinien um etwa 7 bis 18 Prozent, und der Zelltod der Krebszellen stieg um 20 bis 30 Prozent. Zwei Wochen!

Gleichzeitig waren im Blut der Frauen Insulin und der Wachstumsfaktor IGF-1 deutlich gesunken, zwei Botenstoffe, die Zellen zum Wachsen antreiben. Weniger Wachstumssignale im Blut, weniger Wachstum in der Schale.

Bis in die Gene und an die Enden der Chromosomen

Ornish ließ nicht locker. Drei Jahre später untersuchte sein Team bei 30 Männern das Prostatagewebe vor und nach drei Monaten Programm. Rund 500 Gene arbeiteten danach anders: 48 waren aktiver, 453 waren gedrosselt, darunter solche, die bei der Tumorentstehung mitmischen. Die ganze Geschichte dazu findest du in unserem Beitrag „Vegane Ernährung schaltet gezielt Gene ab“.

Nach fünf Jahren dann die Telomere, die Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen, die mit den Jahren kürzer werden: Sie waren bei den Männern im Programm länger geworden. In der Vergleichsgruppe waren sie geschrumpft, wie man es eigentlich bei jedem erwartet.

Was dabei gern unterschlagen wird: Ornish hat nie die Ernährung allein getestet. Es war immer das ganze Paket aus Essen, Bewegung, Stille und Gemeinschaft. Uns stört das wenig. Ein Leben besteht auch nicht aus Einzelteilen.

Dazu passen die großen Zahlen. In einer Auswertung von knapp 100 Studien erkrankten vegan lebende Menschen um 15 Prozent seltener an Krebs als Mischköstler. Vorteile zeigen sich vor allem bei Dickdarm- und Lungenkrebs.

„Das Krebsrisiko kann durch eine vegetarisch-vegane Ernährung nicht ausgeschlossen, aber ganz entscheidend reduziert werden.“

Prof. Dr. Claus Leitzmann, ehemaliger Leiter des Instituts für Ernährungswissenschaft in Gießen und Träger des Zabelpreises für Krebsprävention

Obst und Gemüse sind Krebshemmer

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Was ist im Blut vegan lebender Menschen anders? Wer viel Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte isst, hat höhere Blutspiegel an Carotinoiden und anderen sekundären Pflanzenstoffen als Mischköstler. Als Krebshemmer gelten vor allem die reichlich enthaltenen Antioxidantien. „Das sind Stoffe, die die Zellen vor Schäden schützen und ihre Entartung verhindern. Und als Veganer nimmt man sie in besonders hohem Maße auf“, erklärt Zehra Karadeniz vom Verband der Oecotrophologen.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind im Grunde die Waffen der Pflanze. Mit ihnen schützt sie sich vor Bakterien, Pilzen und Insekten. Und das ist das Interessante daran: Diese Schutzwirkung nutzt auch dem Menschen bei der Abwehr gegen Krebs. Das größte Forschungsprogramm dazu leitete der kanadische Biochemiker Prof. Dr. Richard Béliveau, der seine Ergebnisse gemeinsam mit Dr. Denis Gingras im Ratgeber „Krebszellen mögen keine Himbeeren“* zusammengefasst hat. Dort heißt es: „Krebsprävention durch Ernährung ist also gleichbedeutend mit einer nichttoxischen Chemotherapie.“

Einer der stärksten Mechanismen heißt Anti-Angiogenese, die Hemmung neuer Blutgefäße. Ein junger Tumor hat noch keine eigene Blutversorgung. Ohne sie wird er nicht größer als ein bis zwei Millimeter und kann keine Metastasen bilden. Also lässt er eigene Gefäße wachsen. Viele sekundäre Pflanzenstoffe hemmen genau diese Gefäßbildung und hungern die Krebszellen damit regelrecht aus. Auch im gesunden Körper entstehen solche Mikrotumore immer wieder. Bei guter Abwehr bleiben sie winzig.

Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler und alles aus der Knoblauchfamilie unterstützen den Körper dabei, krebsauslösende Substanzen auszuschleusen, bevor sie das Erbgut schädigen. Mehr dazu liest du in unseren Beiträgen über Brokkoli und Brokkolisprossen und darüber, wie Knoblauch seinen stärksten Schutz entfaltet. Lycopin, der rote Farbstoff aus Tomaten, wird ebenfalls mit einem geringeren Krebsrisiko in Verbindung gebracht, und ballaststoffreiche Lebensmittel senken das Dickdarmkrebsrisiko.

Außerdem ist das meiste Obst und Gemüse basenbildend, auch Zitrusfrüchte beispielsweise. Pflanzliche Öle sind neutral. Die meisten Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide sind moderate Säurebildner, überschaubare Mengen davon gehören aber auf jeden Fall zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Als stark säurebildend gelten Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Zucker, Weißmehl, Kaffee und Alkohol.

Krebs entsteht in einem sauren Milieu

So wurde beispielsweise festgestellt, dass Krebs am häufigsten bei Menschen auftritt, deren Körper einen sehr sauren pH-Wert aufweist.

Die Tatsache, dass bei 40 % der Bevölkerung, aufgrund ihrer derzeitigen gesundheitlichen Situation, eine Krebserkrankung als Folgeerkrankung zu erwarten ist, weist auf die heute weit verbreitete Übersäuerung der Menschen, und der dazugehörenden falschen Ernährungsweise hin.

Krebszellen mögen tierisches Eiweiß

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Jetzt die andere Seite der Rechnung. Im vielzitierten Buch „The China Study“ deutet Prof. Colin Campbell eine groß angelegte Studie aus den 80er-Jahren, getragen von der Cornell University, der University of Oxford und der chinesischen Regierung.

„Wenn Fleisch (alle Sorten, einschl. Rind, Schwein, Geflügel, Fisch etc.) zubereitet wird, dann bilden sich aus den tierischen Eiweißen sog. heterozyklische Amine. Heterozyklische Amine sind krebserregende Substanzen, die zur Entstehung bösartiger Tumore beitragen können.“

Prof. Colin Campbell

Die Zahlen dazu sind alarmierend genug. Eine große Auswertung prospektiver Studien kommt auf 17 Prozent mehr Darmkrebsrisiko pro 100 Gramm rotem Fleisch am Tag und auf 18 Prozent mehr pro 50 Gramm Wurst, Schinken und anderen verarbeiteten Fleischprodukten. 50 Gramm, das sind zwei Scheiben. Verantwortlich sind Stoffe, die beim Braten, Grillen, Pökeln und Räuchern entstehen und die DNA schädigen können.

Hinzu kommt ein Gedanke aus der Enzymtherapie. Jeden Tag entstehen in unserem Körper tausende entartete Zellen, die die Immunabwehr wieder abräumt. Dabei helfen ihr die Enzyme der Bauchspeicheldrüse, die die Eiweißhüllen umherwandernder Krebszellen auflösen. Wer ständig viel tierisches Eiweiß verdauen muss, verbraucht genau diese Enzyme an anderer Stelle. Laut Campbell wurde in Labortests bewiesen, dass Kasein, das 87 Prozent des Milcheiweißes ausmacht, das Wachstum von Krebszellen stimuliert und fördert.

Was die Männer taten, steht jedem offen

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Das Schöne am Ornish-Programm: Es bestand aus nichts, was man kaufen muss.

1) Pflanzlich und vollwertig essen. Obst, Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte, wenig Fett, kaum Zucker und Weißmehl. Denn wer vegan lebt und nur Junkfood isst, hat davon wenig.

2) Jeden Tag bewegen. Eine halbe Stunde zügiges Gehen hat in der Studie gereicht. Nebenbei hält Bewegung das Gewicht im Rahmen, und Übergewicht ist ein eigener Risikofaktor für Krebs, bei Frauen auch über die Östrogenbildung im Fettgewebe.

3) Zur Ruhe kommen. Eine volle Stunde am Tag, so war der Plan. In der Realität schaffen das die wenigsten. Macht nichts, zehn Minuten am Morgen sind ein Anfang.

4) Alkohol und Tabak meiden. Beim Alkohol lässt sich keine Menge benennen, unterhalb der das Krebsrisiko nicht steigt.

Zu einem gesunden veganen Leben gehört außerdem der Blick auf den Nährstoffstatus. Vitamin B12 wird ergänzt, und ein Blutbild einmal im Jahr zeigt dir, wie es um B12, Vitamin D, Eisen und Jod steht. Und falls du selbst oder ein Mensch, den du liebst, gerade mit einer Krebsdiagnose lebt: Die Männer in der Studie haben all das gemeinsam mit ihren Ärzten getan. Genau so ist es gedacht, als Begleitung, die mitgeht.

Vielleicht ist das die schönste Nachricht in diesen Studien. Dein Blut ist kein Schicksal. Es ist eher ein Tagebuch, in dem steht, was du isst, wie du dich bewegst und wie oft du zur Ruhe kommst, und es wird jeden Tag weitergeschrieben. Nach zwei Wochen stand bei den Frauen in Los Angeles etwas Neues darin, nach einem Jahr bei Ornishs Männern, nach fünf Jahren sogar an den Enden ihrer Chromosomen. Die nächste Zeile schreibst du heute, mit dem, was gleich auf deinem Teller liegt.


Empfehlungen zum Thema:

Wenn du tiefer in das Thema Ernährung und Krebsvorsorge einsteigen möchtest, findest du hier die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) Krebszellen mögen keine Himbeeren*, der Ratgeber über Nahrungsmittel, die Krebszellen das Leben schwer machen.
2) China Study von Prof. Colin Campbell*, das Standardwerk über tierisches Eiweiß und Zivilisationskrankheiten.
3) Veganes Omega-3 aus Algenöl*, die pflanzliche Quelle für die Fettsäuren aus dem Ornish-Programm.
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Was hat sich bei dir verändert, seit du pflanzlich isst, vielleicht sogar an deinen Blutwerten? Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilst.

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2 Kommentare
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Elfie
Elfie
6 Jahre vor

Hallo, ja auch ich bin ein grosser Fan von Euren Berichten. Immer sehr sehr Interesseant und Informativ.
Ganz herzlichen Dank dafür.

Stefan Transfeld
9 Jahre vor

Ich finde es sehr wertvoll das solche Informationen dem Verbraucher und Konsumenten zugänglich gemacht werden! Vielen Dank dafür! Die Welt hat sich geändert und wird sich weiterhin ändern! Die Naturgesetze aber bleiben bestehen! Und solange der Mensch im Einklang mit den Naturgesetzen lebt, ist er gut geschützt und behütet! Dies gilt auch im Bereich der Ernährung!
Alles Liebe
Stefan Transfeld

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