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☼ Gesundheit, Heilwissen

Ähnlich wie Opium: Das beste natürliche Schmerzmittel, das in deinem Garten wächst

An den deutschen Mosel-Hängen wuchs einmal eine Heilpflanze, die ganze Heere durch zwei Weltkriege trug. Frei von Sucht, frei von gefährlichen Nebenwirkungen, schmerzlindernd wie kaum ein anderes Kraut. Wie Wilder Lattich, der vergessene Opium-Salat unserer Großeltern, fast über Nacht aus den Apotheken verschwand und warum seine Wiederentdeckung gerade jetzt so wertvoll ist.

Schmerz kennt jeder Mensch. Was als Notruf des Körpers zu uns kommt, müssen wir im Alltag oft schnell dämpfen, sonst kommt das Leben ins Stocken. Der erste Griff geht heute fast automatisch zu rezeptfreien oder verschreibungspflichtigen Tabletten, deren Nebenwirkungen jedoch erheblich sein können, von Magenblutungen über Leberschäden bis zur stillen Abhängigkeit. In Deutschland gelten inzwischen Millionen Menschen als problematische Konsumenten von Schmerz- und Beruhigungsmedikamenten, und die Zahl steigt Jahr für Jahr.

Doch dieser Beitrag will dir keine Angst machen, sondern eine berührende deutsche Heilpflanzen-Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die Hippokrates bereits vor zweitausendvierhundert Jahren kannte, die Kaiser Augustus seine Genesung verdankte und die im Moselgebiet einmal so wichtig war, dass ganze Winzer-Familien davon lebten. Sie handelt vom Wilden Lattich, dem Opium-Salat aus den Apotheken alter Zeiten, der heute eine stille Renaissance erlebt. Wer mehr Alternativen kennenlernen möchte, findet eine schöne Übersicht in unserem Beitrag 14 effektive und natürliche Alternativen zu herkömmlichen Schmerzmitteln.

Die Mosel als Heimat einer fast vergessenen Heilpflanze

Stell dir die Hänge bei Zell an der Mosel im Jahr 1847 vor. Zwischen den berühmten Weinbergen wuchs damals nicht nur Riesling, sondern auch Lactuca virosa, der Gift-Lattich oder Wilde Lattich. Die Mosel-Winzer hatten seinen Anbau als kleinen Nebenerwerb begonnen, und ihr getrocknetes Lactucarium, der eingedickte Milchsaft der Pflanze, wurde von Zell aus europaweit und übersee bis nach England und in die USA verschifft als hochgeschätztes Schmerz- und Beruhigungsmittel.

Während des Ersten Weltkriegs wurden so viele Soldaten verwundet, dass Opium aus Asien nicht mehr in ausreichenden Mengen ins Land kam. Die Mosel-Pflanze wurde zur strategischen Reserve eines ganzen Kontinents. Behörden förderten den Anbau aktiv, die Winzer ergänzten ihr Einkommen, und in den Apotheken wurde Lactucarium zum gewohnten Mittel gegen Schmerzen, Husten und Schlaflosigkeit. Auch nach dem Krieg blieb der Bedarf hoch, denn die Medizin entwickelte immer mehr Operationsmethoden und mit ihnen mehr Schmerzpatienten.


Der Zweite Weltkrieg brachte eine letzte Blütezeit. 1948 schrieb der Landrat sogar an die Bürgermeister: „Es ist erwünscht, dass der Anbau dieser Pflanze so gefördert wird, dass der Bedarf von Heilmitteln wieder aus der heimischen Pflanze gedeckt werden kann.“ Doch wenige Jahre später kam asiatisches Opium plötzlich günstig und in großen Mengen auf den europäischen Markt, und das jahrhundertealte deutsche Heilwissen verschwand fast über Nacht aus den Apotheken. Was bleibt, ist eine alarmierende Tatsache: Wir alle leben heute mit den Folgen dieses Wandels.

Was Hippokrates schon vor Christi Geburt wusste

Schon der Vater der westlichen Medizin schrieb 430 vor Christus über die besonderen Vorzüge des Wilden Lattichs gegenüber dem Kopfsalat. Plinius beschrieb knapp 500 Jahre später bereits neun verschiedene Lattich-Sorten, und Kaiser Augustus soll dem Gift-Lattich seine Genesung von schwerer Krankheit verdankt haben, so beeindruckt, dass er seinem Leibarzt Antonius Musa eine Statue errichten ließ. Im alten Ägypten war der Lattich sogar die heilige Pflanze des Fruchtbarkeitsgottes Min.

Im europäischen Mittelalter wurde der Wilde Lattich in den Kloster- und Burggärten weitergereicht, dort, wo das alte Heilwissen still über die Jahrhunderte bewahrt wurde. Hildegard von Bingen ordnete dem Lattich eine kühlende, beruhigende Kraft zu, und in den Kräuterbüchern der frühen Neuzeit taucht er regelmäßig als verlässlicher Schlaf- und Schmerzhelfer auf. Dieses jahrhundertelange Erfahrungswissen ist die wahre Grundlage seiner Wirkung, lange bevor moderne Labore die Wirkstoffe einzeln isolieren konnten. Eine schöne Vertiefung zum Leben dieser außergewöhnlichen Heilkundigen findest du in unserem Beitrag Vision, aus dem Leben der Hildegard von Bingen.

Wie die Pflanze tatsächlich wirkt

Wenn wir den Stamm oder die Blätter der Pflanze leicht einritzen, tritt eine milchige Flüssigkeit aus, die nach dem Trocknen Lactucarium heißt. In ihr stecken Wirkstoffe wie Lactucin und Lactucopiricin, die nach heutiger Forschungserkenntnis direkt auf das zentrale Nervensystem wirken und das Schmerzempfinden dämpfen, ähnlich wie Morphium, jedoch ohne dessen typische Suchtmechanismen.

Auch wenn der Volksname „Opium-Salat“ anderes nahelegt: Wilder Lattich enthält keine Opiate. Seine Wirkung ist eigenständig, sanfter und vor allem nicht abhängigkeitsfördernd. Eine iranische Forschergruppe konnte bestätigen, dass der Pflanzensaft bereits lange vor der viktorianischen Zeit als Schmerz- und Beruhigungsmittel diente. Eine Untersuchung des Instituts für die Geschichte der Wissenschaft, veröffentlicht unter dem Titel „Lettuce, Lactuca sp. as a Medicinal Plant in Polish Publications of the 19th Century“, fasst es so zusammen:

Die Wirkung der Substanz war etwas schwächer als die von Opium, aber frei von den schädlichen Nebenwirkungen, und die medizinische Praxis zeigte, dass in einigen Fällen Lactucarium sogar bessere Heilwirkungen als Opium produzierte.

Institut für die Geschichte der Wissenschaft, Warschau

Fünf bewährte Anwendungsgebiete

1) Schmerzen und Spannungen. Wilder Lattich lindert akute wie chronische Schmerzen, entspannt die Muskulatur und beruhigt das Nervensystem. Auch eine Übersicht weiterer pflanzlicher Schmerzhelfer findest du in unserem Beitrag Die 18 wirksamsten Heilpflanzen für das Gehirn.

2) Migräne und Kopfschmerzen. Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen kann Lactucarium die Schmerzintensität deutlich reduzieren und die Anfälle seltener werden lassen. Eine wundervolle Ergänzung beschreiben wir in unserem Beitrag Studie: Pfefferminzöl ist bei Kopfschmerzen genauso wirksam wie Paracetamol.

3) Asthma und Reizhusten. Schon im 18. und 19. Jahrhundert war Lactucarium ein anerkanntes Mittel bei Bronchialerkrankungen, Reizhusten, Keuchhusten und Asthma. Wer mehr zu pflanzlichen Helfern für die Atemwege erfahren möchte, findet eine schöne Vertiefung in unserem Beitrag Oregano-Tee gegen Husten, Asthma, Bronchitis und Infektionen.

4) Schlaflosigkeit und Unruhe. Wilder Lattich entspannt Körper und Geist, beruhigt überreizte Nerven und unterstützt einen tieferen Schlaf. Wer es noch sanfter mag, kann auch unseren Bananen-Zimt-Tee als natürliche Schlaftablette ausprobieren.

5) Angst und innere Unruhe. Wer leichte Angstzustände kennt, kann von der beruhigenden Wirkung des Wilden Lattichs profitieren. Bei schwereren Symptomen sollte das ärztliche Gespräch immer Teil des Heilwegs sein.

Wie wir Wilden Lattich anwenden

Es gibt drei klassische Wege, mit Wildem Lattich zu arbeiten. Als Tee übergießen wir zwei Teelöffel des getrockneten Krauts mit einer Tasse heißem Wasser, lassen ihn zehn Minuten ziehen und trinken ihn am Abend in kleinen Schlucken. Als Tinktur setzen wir den frischen Milchsaft mit hochprozentigem Alkohol an, lassen das Ganze zwei bis vier Wochen reifen und dosieren später tropfenweise. Als getrocknetes Lactucarium, also der gesammelte und eingedickte Milchsaft, ist die Wirkung am stärksten und wird klassisch in winzigen Mengen genommen.

Wichtige Sicherheitshinweise

Die Pflanze trägt ihren Beinamen Gift-Lattich nicht zufällig. Schon Paracelsus brachte es vor 500 Jahren auf den Punkt:

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei.

Paracelsus, Arzt und Naturphilosoph

1) Maximale Einzeldosis beachten. Beim Lactucarium liegt die maximale Einzeldosis bei 0,3 bis höchstens 1 Gramm, beim Kraut selbst sind 5 bis 20 Gramm üblich. Verwende auf keinen Fall mehr, sonst drohen Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Angstgefühle.

2) Vorsicht bei Salat-Allergie. Die Bitterstoffe können als Kontaktallergene wirken. Wer auf Kopfsalat oder andere Korbblütler allergisch reagiert, sollte die Finger von Lactuca virosa lassen.

3) Nicht in Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern. Die Studienlage zu diesen Gruppen ist dünn, deshalb empfehlen wir hier auf andere pflanzliche Helfer auszuweichen.

4) Wechselwirkungen klären. Wenn du verschreibungspflichtige Beruhigungs-, Schlaf- oder Schmerzmittel nimmst, sprich vor der Anwendung mit deinem Arzt oder einem erfahrenen Heilpraktiker, denn die Wirkungen können sich addieren.

5) Kein Rausch-Mittel. Wilder Lattich ist eine seriöse Heilpflanze, kein Freizeitkraut. Hohe Dosen für angebliche Euphorie sind schädlich und nicht der Sinn dieser Tradition.

Wo die Mosel-Geschichte heute weiterlebt

Wilder Lattich kommt heute noch wild an seinem alten Stammplatz an der Mosel vor, ebenso im Rheinland, am Main und in Sachsen-Anhalt. Wer ihn nicht selbst sammeln möchte, kann ihn als getrocknetes Kraut bestellen oder aus Bio-Samen im eigenen Garten ziehen. Damit verbinden wir uns mit einer Tradition, die unsere Großeltern noch kannten und die uns ein Stück verlorene Heimat zurückgibt.

Was uns die Geschichte des Mosel-Lattichs lehrt, ist eine berührende Wahrheit: Die Natur hatte längst eine Antwort, bevor wir sie durch synthetische Lösungen ersetzten. Vielleicht liegt der Weg aus mancher modernen Krise nicht in immer neuen Molekülen, sondern in der achtsamen Wiederentdeckung dessen, was unsere Vorfahren bereits in den Händen hielten. Pflanzen wie Wilder Lattich erinnern uns daran, dass Heilung leise, geduldig und oft direkt vor unserer Haustür wartet.


Empfehlungen zum Thema:

Wenn du tiefer in die Welt der heimischen Heilpflanzen eintauchen möchtest, findest du hier die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) Gesundheit aus der Apotheke Gottes von Maria Treben*, das Standardwerk der europäischen Klosterheilkunde mit über 10 Millionen verkauften Exemplaren.
2) Wilder Lattich Tinktur in Bio-Qualität*, fertig zubereitet und sauber dosierbar für alle, die nicht selbst sammeln oder ansetzen möchten.
3) Wilder Lattich Bio-Samen für den eigenen Garten*, um die alte Mosel-Tradition Schritt für Schritt im eigenen Beet wieder lebendig werden zu lassen.
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Thomas
Thomas
3 Jahre vor

Klingt gut, jedoch wie viel Milchsaft in wie viel Alkohol für eine Tinktur? Danke, Lg Thomas

Anne Dremel
Anne Dremel
4 Jahre vor

Wo bekomme ich es?? Und wie wird es verarbeitet

Linda Himmel
Linda Himmel
5 Jahre vor

10-20 g vom Kraut, natürlich nicht vom Lactucarium!

FOX
FOX
6 Jahre vor


Die orale Dosis des Krauts ist etwa 10-20g.

. Die maximale Einzeldosis wird mit 0,3 bis maximal 1 Gramm
angegeben.

huh?

Steffen
7 Jahre vor

Hallo, ein sehr schöner und ausführlicher artikel über den Wilden Lattich. Etwas mehr Information zum Anbau dieser Pflanze im eigenen Garten wäre ein kleiner Verbesserungsvorschlag. Wer sich die Pflanze aus Saatgut ziehen möchte, der sollte folgendermaßen vorgehen:
Die Samen sollten nur etwa einen mm mit Aussaaterde abgedeckt werden, nicht mehr. Das ganze dann kosnatnt feucht und möglichst warm halten. Die Keimung tritt innerhalb von 14 Tagen problemlos ein. Zur weiterkultur sollte man einen warmen, sonnigen Standort im Garten wählen

Gertrud Buchner
7 Jahre vor

Alles schön und gut ! Woher bekomme ich diese Pflanzen ? Ferner wie wende ich sie an ??
Auf jeden Fall sehr interessant , “ Danke “ MfG.

Steffen
7 Jahre vor
Antwort auf  Gertrud Buchner

Hallo Frau Buchner, Sie können sich die Pflanze ganz einfach selbst im Garten ziehen: https://www.asklepios-seeds.de/lactuca-virosa-samen-giftlattich.html