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Dieser Stoff repariert (fast) alles in dir: Warum ein Chefarzt ihn den am meisten unterschätzten Vitalstoff nennt

Unser Körper stellt ihn selbst her, er arbeitet im Gehirn, in der Leber und in den Gelenken zugleich, und trotzdem hat kaum jemand je seinen Namen gehört. An der Harvard Medical School half er ausgerechnet den Menschen, bei denen Antidepressiva nicht mehr weiterkamen.

Boston, Massachusetts General Hospital. Dreißig Erwachsene nehmen seit Monaten ein Antidepressivum, und es hilft ihnen nicht. Die Ärzte der Harvard Medical School geben ihnen sechs Wochen lang etwas dazu, kein Medikament im üblichen Sinn, sondern einen Stoff, den jede Zelle ohnehin herstellt. Am Ende hat jede zweite Person deutlich angesprochen, 43 Prozent gelten als beschwerdefrei, so steht es in der Auswertung der Harvard-Forscher. Der Stoff heißt S-Adenosylmethionin, kurz SAMe.

Und das Gehirn ist nur eine seiner Baustellen. Bei leberkranken Menschen ging es in einer spanischen Studie um nichts Geringeres als das Überleben, bei Kniearthrose hielt SAMe mit einem modernen Schmerzmittel mit. Und gerade bei pflanzlicher Ernährung wird es spannend: Rund 40 Prozent dessen, was SAMe täglich leistet, fließt in eine einzige Aufgabe, und die lässt sich erstaunlich leicht entlasten. Höchste Zeit, diesen stillen Helfer kennenzulernen.

Der Mittelfeldspieler, auf den keiner schaut

Dr. med. Simon Feldhaus ist Chefarzt der Schweizer Paramed und Präsident der Schweizer Gesellschaft für Anti-Aging-Medizin und Prävention. Im Gespräch mit Sören Schumann (das Video findest du weiter unten) nennt er SAMe, zusammen mit der Alpha-Liponsäure, die am meisten unterschätzte Substanz der gesamten Vitalstoff-Medizin. Alle reden über Vitamin D und Omega-3, völlig zu Recht. Nur brauchen viele dieser Stoffe einen Zuarbeiter, damit sie überhaupt wirken. Sein Bild dafür stammt vom Fußballplatz.

„Es gucken immer alle nur auf den Stürmer, und keiner guckt auf diesen Mittelfeldkämpfer, der den Ball überhaupt erst zum Stürmer bringt. Und das macht SAMe.“

Dr. med. Simon Feldhaus, im Gespräch mit Sören Schumann

Was dieser Mittelfeldspieler tut, klingt zunächst unscheinbar. SAMe entsteht, wenn sich die schwefelhaltige Aminosäure Methionin mit ATP verbindet, dem Energieträger der Zellen. Das fertige Molekül trägt eine sogenannte Methylgruppe, ein winziges Anhängsel aus einem Kohlenstoff- und drei Wasserstoffatomen, und gibt sie dort ab, wo sie gebraucht wird. Erst mit diesem Anhängsel werden viele Stoffe im Körper überhaupt aktiv. Auf dieselbe Weise entstehen das Schlafhormon Melatonin, das Stresshormon Adrenalin und Bausteine der Zellhüllen, und auch der Haushalt von Serotonin und Dopamin hängt daran.


Nebenbei reicht SAMe Schwefel weiter, aus dem der Körper Knorpel und Glutathion aufbaut, sein wichtigstes selbst hergestelltes Antioxidans. Feldhaus nennt es einen Tausendsassa und schiebt gleich hinterher: Nicht die Substanz selbst tut all das, sie lässt andere Vorgänge viel besser ablaufen.

Entdeckt, bestaunt und zwanzig Jahre liegen gelassen

Ein solches Molekül hätte die Medizin eigentlich im Sturm erobern müssen. Hat es nicht. Der aus Italien stammende Biochemiker Giulio Cantoni beschrieb es 1953 in den USA zum ersten Mal, im Journal of Biological Chemistry, als „neues Zwischenprodukt“ aus Methionin und ATP. Danach passierte zwanzig Jahre fast nichts, der Grund ist beinahe komisch: Das Molekül, das im Körper so viel in Bewegung bringt, zerfiel im Labor schneller, als man es abfüllen konnte. Erst 1976, so erzählt es Feldhaus, gab es eine stabile Form.

Dass du vermutlich trotzdem nie davon gehört hast, hat mit Geld zu tun. Einen Stoff, den der Körper selbst bildet, kann niemand patentieren. Ohne Patent bezahlt kaum jemand die großen, teuren Studien. Feldhaus sagt es offen: Könnte eine Firma SAMe für sich sperren, stünde es längst auf der Hitliste der Arzneimittel. Ehrlich gesagt ist das bis heute ein Ärgernis. Es sagt nichts über den Stoff und eine ganze Menge über das System, das Wissen sortiert.

Was SAMe im Gehirn bewegt

Die meisten Vitalstoffe scheitern an einer Tür, der Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor fremden Stoffen abschirmt. SAMe kommt durch. Londoner Neurologen maßen das 1990 direkt im Nervenwasser: Nach der Einnahme stieg der Spiegel dort deutlich an, und dieselbe Arbeit zeigte, dass schwer depressive Menschen und Menschen mit Alzheimer auffallend wenig SAMe im Nervenwasser hatten.

Die Harvard-Forscher wiederholten ihren Versuch später unter strengen Bedingungen, mit Scheinpräparat und etwa 70 Menschen, denen ihr Antidepressivum allein nicht geholfen hatte. Das Ergebnis im American Journal of Psychiatry: Mit SAMe sprachen gut 36 Prozent an, mit dem Scheinpräparat knapp 18 Prozent. Doppelt so viele also!

Was dabei gern unterschlagen wird, gehört trotzdem hierher. In einer weiteren Studie derselben Gruppe trat SAMe allein gegen ein gängiges Antidepressivum und ein Scheinpräparat an. Man erwartet einen klaren Sieger. Es gab keinen, auch das etablierte Medikament kam am Scheinpräparat nicht vorbei. Das sagt weniger über SAMe als darüber, wie schwer sich seelisches Leid in zwölf Wochen vermessen lässt (und wie viel schon in Bewegung kommt, wenn sich endlich jemand kümmert).

Die Leber: hier wird es ernst

Am meisten fasziniert Feldhaus die Leber, und man versteht schnell, warum. Dort stellt der Körper den größten Teil seines SAMe her. Ist die Leber geschwächt, etwa durch Alkohol oder eingelagertes Fett, erlahmt genau diese Herstellung, wie spanische Leberforscher beschrieben haben. Dann hilft auch viel Methionin aus der Nahrung nicht mehr, weil die Leber es nicht mehr umbauen kann. Ein Teufelskreis, denn ohne SAMe fehlt ihr das Glutathion, mit dem sie Gifte bindet.

Der Kreis lässt sich offenbar von außen schließen. Italienische Ärzte gaben Leberpatienten ein halbes Jahr SAMe: Das abgesunkene Glutathion in der Leber stieg deutlich an. Noch weiter ging eine spanische Studie mit 123 Menschen, deren Leber durch Alkohol bereits vernarbt war. Zwei Jahre bekam die eine Hälfte täglich SAMe, die andere ein Scheinpräparat. Ohne die allerschwersten Fälle gerechnet, waren am Ende 12 statt 29 Prozent gestorben oder auf eine neue Leber angewiesen.

Ein Versuch treibt das Prinzip auf die Spitze. Paracetamol, in den USA Acetaminophen genannt, ist in hoher Dosis ein starkes Lebergift, weil es die Glutathion-Vorräte schlagartig aufbraucht. In Versuchen einer amerikanischen Arbeitsgruppe schützte SAMe die Leber selbst dann noch spürbar, wenn es erst eine Stunde nach dem Paracetamol kam.

Bitterstoffe, Mariendistel, Artischocke: alles gut und richtig, sagt Feldhaus. Für ihn gehört SAMe aber in jede Leberkur, die ihren Namen verdient, weil es eine Ebene tiefer ansetzt. Wie du deine Leber über den Teller unterstützt, zeigt unser Beitrag über 8 Lebensmittel, mit denen du deine Leber reinigen kannst. Und ist deine Leber bereits ernsthaft angeschlagen, dann hol dir bitte jemanden an die Seite, der deine Werte kennt und dich begleitet.

Schwefel im Rucksack: SAMe und die Gelenke

Wer Gelenkschmerzen hat, landet fast immer beim MSM, einer Schwefelverbindung, die in Gramm-Mengen eingenommen wird. SAMe bringt viel weniger Schwefel mit und wirkt nach Feldhaus‘ Erfahrung trotzdem mindestens so gut. Seine Erklärung: Beim MSM steht der Schwefel vor dem Fenster und muss irgendwie hineinhüpfen. Beim SAMe steckt er im Rucksack, und das Molekül klettert damit durchs Fenster in die Wohnung.

Kalifornische Ärzte ließen SAMe bei etwa 60 Menschen mit Kniearthrose gegen den modernen Schmerzhemmer Celecoxib antreten. Anfangs lag das Medikament vorn. Ab dem zweiten Monat war kein Unterschied mehr messbar, SAMe braucht also Anlauf und zieht dann gleich. Eine Auswertung von elf Studien kam zum selben Bild: ähnlich wirksam wie die üblichen Schmerzmittel, aber mit deutlich weniger Nebenwirkungen. Weitere Helfer findest du in unserem Beitrag über 14 natürliche Mittel bei Gelenkschmerzen.

Was das mit pflanzlicher Ernährung zu tun hat

Jetzt zu den 40 Prozent vom Anfang. Der Körper baut jeden Tag Kreatin, den schnellen Energiespeicher für Muskeln und Gehirn, und jedes Kreatin-Molekül kostet eine Methylgruppe aus SAMe. Kanadische Biochemiker haben nachgerechnet: Die Kreatin-Bildung verbraucht rund 40 Prozent aller Methylgruppen, die SAMe bereitstellt. Bei Mischkost kommt etwa die Hälfte des Kreatins aus der Nahrung. In Pflanzen steckt praktisch keines, wer pflanzlich lebt, stellt also sein gesamtes Kreatin selbst her, und SAMe hat entsprechend mehr zu tun.

Kein Grund zur Sorge, eher ein Fingerzeig. Kreatin-Monohydrat wird synthetisch hergestellt, ist also vegan, und wer täglich etwa 3 Gramm nimmt, muss weniger selbst bauen. Dazu kommen die Stoffe, mit denen der Körper verbrauchtes SAMe wieder auflädt: Folat aus grünem Blattgemüse und Hülsenfrüchten sowie Vitamin B12, das bei veganer Ernährung ohnehin zuverlässig ergänzt gehört. Ein dritter Weg führt über Betain, das seinen Namen der Roten Bete verdankt (lateinisch Beta vulgaris) und auch in Spinat und Quinoa steckt. Ein eigenes Enzym gewinnt damit Methionin zurück, aus dem neues SAMe entsteht. Mehr über die rote Knolle liest du in unserem Beitrag Iss mehr Rote Beete.

So wird SAMe sinnvoll eingesetzt

Bei vielen lässt die eigene SAMe-Bildung nach Feldhaus‘ Beobachtung mit den Jahren nach, und manche Menschen übertragen Methylgruppen von Geburt an schwerfälliger. Sein Vergleich: Wer immer nur eine Kugel auf einmal ins Glas legen kann, kommt mit zwanzig Kugeln vor sich trotzdem weiter als mit fünf. In der Lebensmitte, wenn sich die ersten Zipperlein melden, sieht er in SAMe enormes Potenzial für die Gesunderhaltung.

Als Grunddosis nennt er 200 Milligramm am Tag, bei gezieltem Einsatz 400, in Einzelfällen und mit Begleitung bis zu 800. Besser dreimal 200 Milligramm über den Tag verteilt als alles auf einmal, denn die seltenen Nebenwirkungen (etwas Aufstoßen, ein grummelnder Bauch) hängen an der Einzelmenge. Im Grunde ist SAMe aber kein Solist. Aus jeder abgegebenen Methylgruppe wird Homocystein, das der Körper mit Folat und B12 zu Methionin zurückbaut. Bei gesunden Freiwilligen der Mayo Clinic blieb der Homocysteinwert unter SAMe zwar unverändert, doch genau deshalb gehören gut gefüllte Folat- und B12-Speicher immer mit ins Konzept: Sie halten den Kreislauf am Laufen. Der Wirkstoff wird übrigens mit Hefe hergestellt, achte bei Kapseln nur auf eine pflanzliche Hülle.

Weil SAMe die Stimmung wirklich anhebt, gilt für eine Gruppe besondere Achtsamkeit: Wer zu manischen Phasen neigt oder bereits ein Antidepressivum nimmt, bespricht die Einnahme vorher mit jemandem, der sich damit auskennt. Bei bipolarer Veranlagung kann der Schwung zu viel werden.

In jeder Sekunde, während du diese Zeilen liest, wandern in deinem Körper unzählige winzige Methylgruppen von einem Molekül zum nächsten, heben deine Stimmung, entlasten deine Leber und nähren deine Gelenke, und nichts davon spürst du. Dein Körper sorgt für dich, leise und ohne Applaus, mit einem Helfer, der nie im Rampenlicht stand und es auch nie verlangt hat. Derselbe Stoff arbeitet übrigens auch im Apfel auf deinem Tisch: Pflanzen bauen aus SAMe ihr Reifehormon, das Früchte süß und weich werden lässt. Du kannst ihm die Arbeit leichter machen, mit grünem Blattgemüse, mit Roter Bete, mit B12 und einem Löffel Kreatin. Und du darfst staunen, wie viel Fürsorge in etwas so Kleinem steckt, jeden Tag aufs Neue.


Empfehlungen zum Thema:

Wenn du tiefer in das Thema SAMe und Methylierung einsteigen möchtest, findest du hier die besten Begleiter zu diesem Thema:
1) SAMe-Kapseln mit 200 mg*, die Grunddosis aus dem Gespräch.
2) Kreatin-Monohydrat als Pulver*, vegan und der einfachste Weg, deine SAMe-Reserve zu entlasten.
3) B-Komplex mit Methylfolat und Methylcobalamin*, damit der Methyl-Kreislauf rund läuft.
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Hast du schon Erfahrungen mit SAMe gemacht, oder hörst du heute zum ersten Mal davon? Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns teilst.

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Evita
Evita
1 Stunde vor

Alles was syntetisch ist, ist UNGESUND,!!!!!!!

Zuletzt bearbeitet am 1 Stunde vor von Evita
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