Das passiert in deinen Zellen, wenn du Glück erfährst!
Pessimisten haben ein achtfach höheres Depressionsrisiko und sterben statistisch früher. Optimisten leben länger, gesünder, verbundener. Was in unseren Zellen passiert, wenn wir glücklich sind, ist eine der am stärksten unterschätzten Wahrheiten der modernen Medizin.
Über Stress, Depression und ihre Verbindung zu Krankheiten gibt es unzählige Forschungsarbeiten. Doch erstaunlich wenig Wissenschaft widmet sich der anderen Seite der Medaille: der Biologie der Freude. Warum eigentlich?
Eine mögliche Antwort: Glückliche Menschen gehen seltener zum Arzt, und Forschung wird vor allem dort gefördert, wo sich später Medikamente verkaufen lassen. Doch die Frage, warum wir uns bei Optimismus und Zufriedenheit messbar gesünder fühlen, ist eine der spannendsten der modernen Medizin. Alles deutet darauf hin, dass Glücksgefühle zelluläre Krankheitsprozesse nicht nur abmildern, sondern tatsächlich umkehren können.

Künstliches Glück und warum es uns nie sättigt
Sehr viele Menschen werden abhängig von Substanzen wie Alkohol, Kokain, Amphetaminen, Heroin oder Nikotin. Warum eigentlich, und warum macht es sie nicht glücklich? Unser Gehirn verfügt über fein abgestimmte chemische Systeme, die unsere elektrischen Aktivitäten steuern. Drogen reizen diese Systeme künstlich, doch echte Freude entsteht dabei nicht.
Ein Beispiel: Dopamin, oft als „Belohnungshormon“ bezeichnet, wird ausgeschüttet, wenn wir eine Belohnung erfahren, etwa beim Stillen von Hunger oder beim Bestehen einer Prüfung. Substanzen wie Amphetamin und Kokain imitieren genau diese Wirkung, mit massiven Folgen. Menschen in Armut oder Hoffnungslosigkeit geben ihr Geld eher für solche kurzfristigen Vergnügen aus als für Nahrung. Echtes Glück erleben sie dabei nicht.
Eine andere Stoffgruppe, die Endorphine, wirkt als natürliches Schmerzmittel. Heroin, Morphium und Alkohol imitieren diese Wirkung, weshalb Menschen mit emotionalen Wunden in ihnen kurzfristige Erlösung suchen. Doch das ist kein Glücksempfinden, sondern nur ein Ausschalten des Schmerzes. Serotonin wiederum ist entscheidend für mentale Entspannung und gesunden Schlaf. Die Beruhigung von Angst, die dadurch entsteht, hat geholfen, manche Formen der Depression zu lindern. Genau deshalb ist Fluoxetin (Fluctin) so populär, es verlängert die Wirkung der ohnehin geringen Serotoninmenge. Doch der Weg aus Angst und Depression in die Ruhe ist noch nicht der Weg ins Glück.
Hier wird sichtbar, was zu den unbequemen Wahrheiten der modernen Medizin gehört: Sehr oft werden Symptome behandelt, nicht Ursachen. Eine Pille gegen Depression löst nicht die Frage, warum so viele Menschen heute so wenig Lebensfreude empfinden. Wer profitiert wohl davon, wenn diese Frage gar nicht erst gestellt wird?
Glück steht in direkter Verbindung mit unserer Gesundheit
Dr. Derek Cox, Direktor für öffentliche Gesundheit in Dumfries und Galloway NHS, vermutet, dass Verantwortliche im Gesundheitswesen jahrzehntelang einen entscheidenden Hinweis übersehen haben:
Wir haben Jahre damit verbracht zu sagen, dass das Aufgeben des Rauchens das Wichtigste sei, was wir für die Gesundheit der Nation tun können. Dabei gibt es immer mehr Beweise, dass Glücksgefühle mindestens ein genauso wichtiger Faktor sind, wenn nicht sogar ein wichtigerer.
Dr. Derek Cox, Direktor für öffentliche Gesundheit, NHS Dumfries und Galloway
Andrew Steptoe, Professor für Psychologie der Britischen Herzstiftung am University College London, hat in mehreren Studien gezeigt, dass glücklichere Menschen einen messbar besseren Schutz vor Herzerkrankungen und Schlaganfällen haben. „Stress wirkt sich nachweislich schlecht auf die Biologie aus“, so Steptoe. „Glücksgefühle scheinen den gegenteiligen Effekt zu haben und unsere biologischen Bahnen zu schützen.“

Dieses Bild zeigt einen Schnitt durch einen Grashalm, durch ein Mikroskop betrachtet. Auf dem Bild sind größere und kleinere Smileys zu erkennen. Dabei handelt es sich um Kanäle, die vorwiegend Wasser und Nährstoffe (Lebenssaft) aus dem Boden befördern.
Was geschieht in unseren Zellen, wenn wir glücklich sind?
Die Wissenschaft hat lange vor allem in eine Richtung geforscht: Was passiert im Körper, wenn wir leiden? Doch erst nach und nach wendet sich die Forschung den biologischen Grundlagen positiver Emotionen zu. Und die Daten sprechen eine klare Sprache: Glückliche Menschen haben ein intakteres Immunsystem, ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und berichten über zufriedenere Beziehungen.
Ein Beispiel: Bei depressiven Menschen sinkt die Konzentration des Hormons Prolaktin. Die meisten verbinden es nur mit der Bildung von Muttermilch, doch es wirkt am Stoffwechsel mit und reguliert das Immunsystem. Steigt der Prolaktinwert, steigen auch die positiven Effekte, die wir mit Glück verbinden. Um das Gehirn vor Stress zu schützen, schüttet es zudem das Protein BDNF aus, einen körpereigenen Wachstumsfaktor für Nervenzellen (mehr dazu auf Wikipedia). BDNF repariert Neuronen im Gedächtnis und wirkt wie ein „Reset-Knopf“. Genau deshalb fühlen wir uns nach einer stressigen Phase oft klarer und wieder freudiger.
BDNF und Endorphine sind der Grund, warum wir nach Bewegung, sei es Joggen, Tanzen oder eine Wanderung im Wald, dieses gute Körpergefühl haben. Sie zeigen ein ähnlich abhängig machendes Verhalten wie Morphin, nur mit dem entscheidenden Unterschied: Sie tun uns gut. Auch bei einem inspirierenden Gespräch, einem köstlichen Essen oder einem Spaziergang im Sonnenlicht werden sie freigesetzt.
Der Nutzen für unsere Zellen, die diese Veränderungen durchlaufen, zeigt sich in folgenden Effekten:
1) Wachstum neuer Nervenverbindungen
2) bessere Analyse- und Denkfähigkeit
3) erhöhte mentale Produktivität
4) veränderte Sicht auf die Umgebung
5) gesteigerte Aufmerksamkeit
6) Förderung positiver Gedanken
Warum echtes Glück nicht aus dem Reagenzglas kommt
Wir Menschen finden tiefe Freude darin, die unsichtbare Barriere zwischen uns und anderen zu überbrücken. Dahinter steht ein chemisches Wunder: Vertrauen. Antworten, wie Vertrauen biologisch entsteht, finden wir in unserer Säugetierherkunft. Ein hilfloses Kind großzuziehen, erfordert intensive Fürsorge, und diese Bindung zwischen Eltern und Kind hat ihren chemischen Anker im Hormon Oxytocin.
Oxytocin selbst erzeugt zunächst keine Freude, im Gegenteil: Es kann Angst auslösen, denn es lockert bestehende neuronale Verbindungen, damit Platz für neue Erfahrungen entsteht. Genau diesen Schmelzprozess erleben wir beim ersten Verlieben. Die eigentliche Bindung entsteht nicht im Schmelzen, sondern in der gemeinsamen Aktivität danach. Unsere Vorfahren lernten vor langer Zeit, diesen Mechanismus über die geschlechtliche Verbindung hinaus zu nutzen, um Gruppen und Stämme zu schaffen. Sie tanzten, sangen und musizierten bis zur Erschöpfung und fühlten sich danach wie neugeboren.
Aristoteles hat es schon vor über zweitausend Jahren auf den Punkt gebracht:
Glück ist die Aktivität der Seele in Übereinstimmung mit der Tugend.
Aristoteles, Nikomachische Ethik
Freude entsteht in gemeinsamen Aktivitäten mit Menschen, denen wir vertrauen. Glück entsteht also nicht aus einem chemischen Stoff allein. Das wäre, als würde man eine Geige nur als Pferdehaar betrachten, das über eine Darmsaite streicht. Sobald die Chemie aus dem Gleichgewicht ist, kann uns keine Pille einfach glücklich machen. Wir erschaffen unsere Freude selbst, und am glücklichsten fühlen wir uns dort, wo wir lernen, einander zu vertrauen. Übrigens lehrt uns altes Wissen genau dasselbe: Schon die Klosterheilkunde, Ayurveda und die Heilkunst Hildegards von Bingen wussten, dass Gemeinschaft und ein offenes Herz wesentliche Bestandteile der Heilung sind.
Die Macht der positiven Gedanken

Jeder Gedanke setzt im Gehirn chemische Stoffe frei. Konzentrieren wir uns auf negative Gedanken, verlangsamt sich das Gehirn, bis hin zu Depressionen. Positive Gedanken hingegen senken das Stresshormon Cortisol und fördern Serotonin. So gelangen unsere Gehirnfunktionen zu ihrer vollen Kapazität. Glückliche Gedanken unterstützen auch das Wachstum neuer Synapsen, vor allem im präfrontalen Kortex (kurz PFC), der Schaltzentrale für alle Gehirn- und Verstandes-Funktionen. Der PFC erlaubt uns, emotionale Reaktionen zu steuern und selbstgewählte Ziele zu verfolgen, kurz, das Leben so zu gestalten, wie wir es uns wünschen.
Warum Optimismus zu mehr Glücksgefühlen führt
Neurowissenschaftler haben entdeckt, dass Menschen mit einer optimistischen Grundhaltung eine höhere Aktivität in ihrem linken präfrontalen Kortex aufweisen. Verhaltenswissenschaftler beobachten zudem faszinierende Unterschiede zwischen Optimisten und Pessimisten: Optimisten erklären gute Erfahrungen mit eigenen Eigenschaften und sehen sie als beständig an, schlechte dagegen als vorübergehend („manchmal“, „kürzlich“) oder als Fehler anderer.
Insgesamt zeigen Studien, dass Optimisten:
1) ein glückliches, erfülltes Leben führen
2) viel Zeit in Gemeinschaft verbringen
3) gute Beziehungen pflegen
4) ein stärkeres Immunsystem haben
5) länger leben als Pessimisten

Pessimisten dagegen deuten gute Erfahrungen als kurze Anlässe und schlechte als dauerhaften Zustand („immer“, „nie“). Eine Studie der Universität von British Columbia fand heraus, dass manche Menschen eine Veranlagung haben, die Welt durchgehend negativ zu sehen. Ihr Risiko für Depressionen liegt achtfach höher als bei Optimisten, sie erbringen in Schule und Beruf schlechtere Ergebnisse, führen schwierigere Beziehungen und sterben statistisch früher.
Sonia Lyubomirsky, Forscherin der Universität von Kalifornien, hat zudem gezeigt: Unglückliche Menschen verbringen Stunden damit, sich mit anderen zu vergleichen. Glückliche Menschen vergleichen sich mit niemandem. Eine Studie der Universität Lund in Schweden ergänzt: Was uns wirklich glücklich macht, sind Beziehungen und Menschen, nicht Dinge. Eine Erkenntnis, die nebenbei viele Werbebotschaften in einem neuen Licht erscheinen lässt. Wer profitiert wohl davon, dass wir glauben, das nächste Produkt mache uns glücklich?
Die gute Nachricht: Wir können unser Denken nutzen, um unser Gehirn zu trainieren. Sogar wenn in deiner Familie Depressionen vorkommen, kannst du deine Gehirnfunktionen verbessern, indem du jene neuronalen Muster schwächst, die mit dem negativen Denken verbunden sind. Eine genetische Veranlagung lässt sich vielleicht nicht völlig auslöschen, aber ihre Auswirkungen oft deutlich vermindern.
Negatives Denken, negative Balance
Negatives Denken verlangsamt die Koordination im Gehirn. Es erschwert, Gedanken zu Ende zu bringen und Lösungen zu finden. Studien zeigen, dass dabei die Aktivität im Cerebellum (Kleinhirn) sinkt. Kreative Problemlösung leidet, und Angst beeinflusst stark den Temporallappen, was sich auf Gemütsverfassung und Gedächtnis auswirkt.
Der Frontallappen entscheidet darüber, was wichtig ist, basierend darauf, wie viel Aufmerksamkeit wir einer Sache schenken. Je mehr wir uns auf Negatives fokussieren, desto mehr Synapsen bilden wir, die diese negativen Denkprozesse stützen. Der Hippocampus speichert die emotionale Färbung unserer Erinnerungen, und so kann sich ein Muster so tief einprägen, dass es echte Arbeit braucht, das Gehirn neu zu „verdrahten“.
Trainiere dein Gehirn, positiver zu denken
Eines der ältesten Prinzipien der Neurologie war lange: Unser Denken hat seinen Ursprung im Gehirn. Die neuere Forschung zeigt das Gegenteil: Konzentrierte, sich wiederholende mentale Aktivität verändert die Struktur und die Verschaltung unseres Gehirns. Genau das nennt die moderne Hirnforschung Neuroplastizität.
Je mehr wir unser Gehirn in eine bestimmte Richtung fordern, desto mehr Fläche reserviert es dafür. Was wir denken, fühlen, tun und sehen, formt unser Gehirn unmittelbar mit. Vor allem aber: Wir können unser Gehirn umprogrammieren, in Richtung Optimismus und Lebensfreude. Vielleicht spürst du das längst, wenn du morgens dankbar in den Tag gehst. Was wir nähren, wächst, das wussten unsere Vorfahren lange, bevor die Hirnforschung es belegen konnte.
Beginne damit, glücklich machende Gedanken zu denken und die positive Seite zu sehen. Wenn negative Gedanken aufkommen, programmiere dein Gehirn um. Dein Geist hat die Möglichkeit festzulegen, wie das Gehirn auf deine Lebensumstände reagiert. Nutze ihn zu deinem Vorteil, um Ereignissen einen neuen Rahmen zu geben und positiv zu denken.
Empfehlungen zum Thema:
Damit du deine Reise zu mehr Lebensfreude mit kraftvollem Wissen begleiten kannst, hier die besten Begleiter zu diesem Thema, handverlesen und aus voller Überzeugung empfohlen:
1) Wie das Gehirn heilt von Norman Doidge*, ein faszinierender Klassiker zur Neuroplastizität, der zeigt, wie wir unsere Gehirnstrukturen aktiv verändern können.
2) Die Regeln des Glücks vom Dalai Lama*, ein warmes Brevier über innere Zufriedenheit, Mitgefühl und die Kunst eines erfüllten Lebens.
3) Dankbarkeitstagebuch*, ein praktischer Begleiter für eine tägliche Dankbarkeitspraxis, die Geist und Stimmung nachweislich hebt.
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