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Löwenzahnwurzel: gesünder als Kaffee – der koffeinfreie Superfood-Kaffee direkt vor deiner Haustür

Kennst du das? du trinkst deine erste Tasse Kaffee am frühen Morgen und statt wach zu werden, wirst du zittrig, nervös und bekommst kurz darauf den großen Crash.
Wir geben Millionen Euro für Bohnen aus Brasilien aus, die uns auslaugen und die Böden dort gleich mit. Dabei wächst direkt vor deiner Haustür eine Wurzel, die ein genialer koffeinfreier Kaffeeersatz ist: die Löwenzahnwurzel.

Kostenlos, leberstärkend, mit lang anhaltender Energie und viel spannender, als du jetzt vielleicht denkst. In diesem Beitrag erfährst du, was die Löwenzahnwurzel so besonders macht, warum gerade der Winter die ideale Sammelzeit ist, wie du den Löwenzahn sicher von seinem Doppelgänger unterscheidest, worauf du beim Graben achten solltest und wie du aus gerösteter Löwenzahnwurzel ein richtig leckeres koffeinfreies Getränk zubereitest, das es locker mit Kaffee aufnehmen kann.

Was steckt in der Löwenzahnwurzel?

Der gewöhnliche Löwenzahn, botanisch Taraxacum officinale agg., ist für viele nur lästiges Unkraut auf Wiesen, Rasenflächen oder am Wegesrand. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine einzelne Art, sondern um eine Gruppe aus über 500 sehr ähnlich aussehenden Kleinarten, die alle essbar und wertvoll sind.

Hinter der unscheinbaren Wurzel steckt ein beeindruckendes Zusammenspiel aus Inhaltsstoffen, das wissenschaftlich gut belegt ist. Eine umfassende Übersichtsarbeit im Journal of Ethnopharmacology dokumentiert die vielfältigen pharmakologischen Eigenschaften von Taraxacum officinale und bestätigt dessen traditionelle Anwendung.


Inulin ist einer der Hauptwirkstoffe der Wurzel. Dieser präbiotische Ballaststoff füttert deine nützlichen Darmbakterien wie ein natürlicher Dünger. Eine Studie in The Journal of Nutrition zeigt, dass Inulin das Wachstum von Bifidobakterien im Darm signifikant fördert und so Verdauung und Immunsystem stärkt. Im Herbst und Winter kann der Inulingehalt der Wurzel bis zu 40 Prozent betragen, was sie zu einer der reichhaltigsten natürlichen Inulinquellen überhaupt macht.

Dazu kommen wertvolle Bitterstoffe wie Taraxacin und Taraxacerin, die Leber und Gallenfluss anregen. Eine Studie in Food and Chemical Toxicology konnte nachweisen, dass Löwenzahnwurzelextrakt eine signifikante schützende Wirkung auf die Leberzellen hat und oxidativen Stress reduziert. Weitere Forschung im Journal of Medicinal Food bestätigt die entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften des Löwenzahns.

Abgerundet wird das Nährstoffprofil durch Kalium, Eisen, Kalzium, Vitamin A, C und K sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Phenolsäuren. Eine Analyse im International Journal of Molecular Sciences hebt besonders die antioxidative Kapazität der Löwenzahnwurzel hervor.

Wichtiger Hinweis: Ich vermittle hier Pflanzenwissen und gebe keine medizinische Beratung. Wenn du gesundheitliche Fragen hast, wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt. Besonders bei Gallensteinleiden, Allergien gegen Korbblütler oder der Einnahme von Medikamenten solltest du vorher ärztlichen Rat einholen.

Warum Löwenzahn Kaffee locker schlagen kann

Kaffee setzt hauptsächlich auf Koffein. Dieses blockiert die Adenosinrezeptoren im Gehirn, die normalerweise Müdigkeit signalisieren. Gleichzeitig pusht es Adrenalin und Cortisol, also genau jene Stresshormone, die eigentlich für Kampf- oder Fluchtsituationen gedacht sind. Kurz gesagt: du fühlst dich wach, aber dein Körper läuft im Dauerstressmodus. Eine Studie in Psychosomatic Medicine zeigt, dass Koffein die Cortisolausschüttung über den gesamten Tag hinweg erhöht.

Beim Koffein-Crash passiert dann Folgendes: Während das Koffein wirkt, sammelt sich Adenosin weiterhin an. Sobald die Koffeinwirkung nachlässt, flutet der Adenosinüberschuss die Rezeptoren. Gleichzeitig fällt der Cortisolspiegel ab. Das Ergebnis: starke Müdigkeit, Reizbarkeit und ein spürbares Konzentrationsloch. Laut einer Übersichtsarbeit in Neuropsychobiology treten diese Effekte bereits bei einem täglichen Konsum von 200 bis 400 mg Koffein auf, also schon ab etwa zwei bis vier Tassen.

Die Löwenzahnwurzel bietet dir dagegen stetige Energie ohne diese Achterbahnfahrt. Die Bitterstoffe regen den Stoffwechsel sanft an, das Inulin stabilisiert den Blutzucker durch seine langsame Fermentation im Darm, und die Mineralstoffe versorgen deinen Körper nachhaltig. Während Kaffeebohnen um die halbe Welt reisen müssen, wächst Löwenzahn in Mitteleuropa überall: auf Wiesen, an Wegrändern, in Gärten, vom Flachland bis in die Berge.

Übrigens hat der Löwenzahnkaffee bei uns eine lange Tradition. Deine Oma kannte ihn wahrscheinlich als Muckefuck, abgeleitet vom französischen Mocca faux, was schlicht “falscher Kaffee” bedeutet. In Kriegs- und Notzeiten war er für viele Familien der einzige verfügbare Kaffeeersatz. Wie wird er in deiner Gegend genannt? Schreib es gern in die Kommentare.

So erkennst du den Löwenzahn sicher

Damit du die Löwenzahnwurzel bedenkenlos verwenden kannst, ist eine sichere Bestimmung das Allerwichtigste. Wenn du jetzt denkst, den Löwenzahn erkennt doch jedes Kind, dann muss ich dich überraschen. Es gibt nämlich eine Pflanze, die ihm tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sieht: den Wiesenpippau (Crepis biennis). Noch nie davon gehört? Damit bist du nicht allein.

So findest du den Löwenzahn: Er wächst buchstäblich überall dort, wo man ihn wachsen lässt. Ohne Blüte erkennst du ihn an seinen typischen Blättern. Sie wachsen in einer Grundrosette direkt aus dem Boden, sind länglich geformt und haben die charakteristischen tiefen Einschnitte und Zähne, die allerdings von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich ausfallen können.

Sobald der Wiesenpippau blüht, ist die Unterscheidung einfach: Er bildet hohe, stark verzweigte Blütenstände aus, während der Löwenzahn nur eine einzige Blüte auf einem unbeblätterten, hohlen Stiel trägt. Doch was ist, wenn beide nicht blühen? Dann hilft dir ein einziges, entscheidendes Merkmal: Dreh das Blatt um und fahr mit dem Finger über die Mittelrippe. Beim Löwenzahn ist sie glatt. Beim Wiesenpippau ist sie deutlich behaart und fühlt sich rau an. Diesen Unterschied spürst du sofort.

Der Wiesenpippau ist übrigens ebenfalls essbar und ungiftig. Wenn es dir aber um die spezifischen Wirkstoffe des Löwenzahns geht, solltest du sicherstellen, dass du auch wirklich einen vor dir hast.

Die richtige Sammelzeit und der perfekte Standort

Die beste Zeit zum Graben der Löwenzahnwurzel ist vom Spätherbst bis ins zeitige Frühjahr. In dieser Phase zieht die Pflanze ihre gesamte Kraft in die unterirdischen Speicherorgane zurück. Der Inulingehalt ist dann am höchsten, und die Wurzel ist insgesamt am nährstoffreichsten. Voraussetzung ist natürlich, dass der Boden nicht gefroren oder schneebedeckt ist.

Nimm auf jeden Fall eine Grabgabel oder einen stabilen Wurzelstecher mit, denn Löwenzahnwurzeln reichen bis zu 30 Zentimeter tief in die Erde. Suche dir bevorzugt junge bis mittelgroße Pflanzen, deren Wurzeln zarter und aromatischer sind. Im Herbst und Winter schmecken sie erdig-nussig. Im Frühjahr werden sie etwas milder. Probiere ruhig verschiedene Jahreszeiten durch und finde deinen persönlichen Favoriten. Eine Handvoll Wurzeln reicht für die ersten Versuche völlig aus.

Beim Standort gilt besondere Sorgfalt. Auffallend große und saftige Löwenzahnpflanzen wachsen oft auf stark gedüngten Flächen. Auch wenn sie verlockend aussehen: Lass sie stehen. Sie können erhöhte Mengen an Nitrat und Schwermetallen aus Kunstdünger enthalten. Meide grundsätzlich Sportplätze, Golfplätze, intensiv bewirtschaftete Felder, stark frequentierte Parks und beliebte Hundegassistrecken. Ideal sind naturbelassene Wiesen, ungedüngte Gärten ohne Pestizideinsatz oder Wegränder abseits von Straßen. Ein guter Tipp: Frag Nachbarn mit naturbelassenem Rasen. Viele freuen sich, wenn der Löwenzahn ein wenig eingedämmt wird.

Auch wenn der Löwenzahn wächst wie Unkraut: Sammle achtsam, nimm nur so viel wie du brauchst und hinterlasse genügend Pflanzen für die Natur und die Insekten.

Von der Wurzel zum fertigen Löwenzahnkaffee

Schritt 1: Waschen und Schneiden

Wasche die geernteten Wurzeln gründlich unter fließendem Wasser und bürste alle Erdreste ab. Die Blätter kannst du direkt für einen Salat aufheben, denn sie sind ebenfalls sehr lecker und stecken voller Nährstoffe. Schneide die sauberen Wurzeln anschließend in kleine, gleichmäßige Stücke von etwa einem halben Zentimeter Dicke.

Schritt 2: Trocknen

Verteile die Wurzelstücke auf einem Backblech oder Trockensieb. Du hast zwei Möglichkeiten: Lufttrocknung über mehrere Tage an einem warmen, gut belüfteten Ort oder Trocknung im Backofen bei 35 bis maximal 40 Grad für etwa sechs Stunden. Die genaue Dauer hängt von der Stückgröße ab. Die Wurzeln sind fertig, wenn sie sich hart anfühlen und beim Brechen knacken.

Schritt 3: Rösten

Die getrockneten Stücke kommen nun in eine Pfanne bei mittlerer Hitze. Rühre dabei ständig, damit nichts anbrennt, denn verbrannte Wurzeln schmecken bitter und unangenehm. Sobald die Stücke dunkelbraun sind und ein angenehmes, nussiges Röstaroma verströmen, sind sie perfekt. Dieser Röstvorgang ähnelt dem klassischen Kaffeerösten: Durch die Maillard-Reaktion entstehen die typischen Aromastoffe, die dem Getränk seinen kaffeeähnlichen Geschmack verleihen.

Zum Thema Inulin und Hitze: Durch das Rösten wird ein Teil des Inulins abgebaut. Allerdings bleibt laut einer Studie in LWT – Food Science and Technology genügend erhalten, um deine Darmflora weiterhin positiv zu beeinflussen. Die eigentliche Stärke des gerösteten Produkts liegt in den Bitterstoffen, die durch den Röstprozess sogar aufkonzentriert werden und dadurch noch intensiver auf Leber und Verdauung wirken.

Schritt 4: Mahlen und Lagern

Lass die gerösteten Stücke vollständig abkühlen und mahle sie dann zu einem feinen Pulver. Am schnellsten geht das in einer elektrischen Kaffeemühle, aber auch ein Mörser funktioniert. Mahle am besten nur eine Menge, die du innerhalb von ein bis zwei Monaten verbrauchen kannst, damit das Aroma frisch bleibt. Lagere sowohl die ganzen Wurzelstücke als auch das fertige Pulver in sauberen, trockenen Schraubgläsern an einem dunklen Ort.

So bereitest du deinen Löwenzahnkaffee zu

Für eine normale Tasse nimmst du ein bis zwei Teelöffel Pulver und übergießt sie mit etwa 200 bis 250 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser. Das Ganze drei bis fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und fertig ist dein Löwenzahnkaffee. Für eine stärkere Variante, ähnlich einem Espresso, verwendest du einfach weniger Wasser: etwa einen Teelöffel auf 50 bis 100 ml.

Der Fantasie bei der Zubereitung sind keine Grenzen gesetzt. du kannst Milch oder Pflanzenmilch hinzugeben, mit Zimt, Honig oder sogar Kakao verfeinern. Der Geschmack ist angenehm nussig-erdig, ähnlich wie echter Kaffee, nur koffeinfrei und magenschonend. Probiere ihn zuerst pur, denn er ist von Natur aus einen Tick süßer als normaler Kaffee.

Das Löwenzahnwurzelpulver funktioniert übrigens auch hervorragend in einer Filtermaschine, einer Bialetti oder einer French Press. So wird der Löwenzahnkaffee zum vielseitigen Alltagsgetränk.

Keine Zeit oder Lust zum Selbermachen? Kein Problem! Wenn dir das Graben, Trocknen und Rösten zu aufwendig ist, kannst du fertigen Löwenzahnwurzel-Kaffee ganz bequem hier über diesen Link bestellen. So kannst du den nussig-erdigen Geschmack sofort genießen, ohne selbst aktiv werden zu müssen.

Fazit: eine Pflanze, die alles kann

Der Löwenzahn ist genau die Pflanze, die wir täglich sehen und trotzdem ignorieren. Sobald du seine Wurzel einmal bewusst wahrgenommen hast, siehst du ihn plötzlich überall: als Kaffeequelle, als Bitterstoff-Booster für deine Leber und als Einladung, öfter mal rauszugehen.

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