Bäume umarmen: Warum die Liebe zur Natur so heilbringend ist
Bäume umarmen, was alte Heiltraditionen seit Jahrtausenden wissen und die Forschung heute bestätigt: Wie der Wald unser Immunsystem stärkt, den Blutdruck senkt und die Killerzellen gegen Krebs aktiviert.

Während die Zahl chronischer Zivilisationskrankheiten Jahr für Jahr steigt und die Pharmaindustrie Rekordumsätze meldet, liegt eines der ältesten und wirksamsten Heilmittel gratis vor unserer Haustür: der Wald. Schon 20 Minuten unter Bäumen senken Blutdruck, Cortisol und Herzfrequenz messbar und aktivieren jene Killerzellen, die unser Immunsystem gegen Krebs einsetzt. Was Hildegard von Bingen, Ayurveda und indigene Heiltraditionen seit Jahrhunderten lehren, lässt sich heute in Blutwerten und Immunzellen nachweisen. Zeit, genauer hinzusehen, warum dieses Wissen im klinischen Alltag kaum eine Rolle spielt.
Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur! Es dringen Blüten aus jedem Zweig und tausend Stimmen aus dem Gesträuch und Freud und Wonne aus jeder Brust,
o Erd, o Sonne, o Glück, o Lust!
Mailied, Strophe 1, von Johann Wolfgang Goethe
Altes Wissen trifft auf neue Messgeräte
In den Klöstern des Mittelalters gehörte das „Gehen unter Bäumen“ fest in den Heilplan. Hildegard von Bingen sprach von viriditas, der Grünkraft, die in jeder lebendigen Pflanze wirkt und den Menschen innerlich aufrichtet. Im Ayurveda gilt der Aufenthalt im Wald als eigenständige Therapieform, vor allem bei Vata-Überlastung, einem Zustand, der dem modernen Dauerstress sehr ähnlich ist. Indigene Traditionen Nordamerikas und Sibiriens kennen das bewusste Verweilen an bestimmten Bäumen seit Generationen als Regenerations- und Initiationsritual. Was lange als volkstümlich oder esoterisch abgetan wurde, lässt sich heute in Blutwerten, Hormonspiegeln und Immunzellen messen. Die eigentliche Frage ist nicht, ob der Wald heilt, sondern warum dieses Wissen in unserer Gesundheitsversorgung praktisch keine Rolle spielt.
Was Bäume und Menschen verbindet
Bäume sind uns näher, als uns oft bewusst ist. Sie stehen aufrecht, sie wachsen, sie altern, sie erleben ihre Jahreszeiten. In den Wurzeln liegt der Halt, in der Krone die Weite, und in unserer Sprache zeigt sich diese tiefe Verwandtschaft. Wir reden vom Familien-Stammbaum, von der Suche nach unseren Wurzeln, vom Boden unter den Füßen, der uns abhandenkommen kann. Wer „baumstark“ ist oder „aus gutem Holz geschnitzt“, trägt etwas vom Wesen des Baumes in sich. Paracelsus, einer der ersten Ärzte, der Schulmedizin und Naturheilkunde verband, hat diese Verwandtschaft in einem Bild festgehalten, das bis heute unübertroffen ist.
Es hat seine Haut, das ist die Rinde; sein Haupt und Haar sind die Wurzeln; es hat seine Figur und seine Zeichen, seine Sinne und die Empfindlichkeit im Stamme. Sein Tod und sein Sterben sind die Zeit des Jahres!
Paracelsus
Shinrin-Yoku: Was die Forschung heute beweist
In Japan ist das Waldbaden, genannt Shinrin-Yoku, seit 1982 Teil des staatlichen Gesundheitsprogramms, was in Deutschland nach wie vor schwer vorstellbar erscheint. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Eine in 24 Wäldern durchgeführte Studie mit dem Titel „Die physiologische Wirkung von Shinrin-yoku“ zeigt: Schon 20 Minuten Aufenthalt im Wald senken Herzfrequenz, Cortisol-Spiegel, Blutdruck und die Aktivität des Sympathikus. Gleichzeitig steigt die parasympathische Aktivität, jener Teil unseres Nervensystems, der für Erholung und Heilung zuständig ist. Bemerkenswert an diesen Zahlen ist vor allem, was sie nicht sind: nebenwirkungsreich, teuer oder patentierbar. Genau das dürfte ein Grund sein, warum wir sie so selten in medizinischen Leitlinien finden.
Heilkraft aus Blättern, Rinden und Früchten
Dass Bäume und Sträucher Heilmittel liefern, ist keine neue Erkenntnis, aber die Bandbreite ist beeindruckend. Brombeerblätter bei Durchfall, Hibiskusblüten bei Verstopfung, Ginkgoblätter bei Demenz und Tinnitus, Holunder und Hagebutte bei Erkältung, Hamamelis bei Hauterkrankungen, Weißdorn bei Herz- und Kreislaufbeschwerden. Hildegard von Bingen hat den Großteil dieser Pflanzen bereits im zwölften Jahrhundert beschrieben, die moderne Phytotherapie bestätigt ihre Erfahrungen Schritt für Schritt. Auch in der Krebstherapie spielt der Wald eine tragende Rolle, wenngleich in etwas verwandelter Form: Der Wirkstoff Taxotere, gewonnen aus der Rinde der pazifischen Eibe, wird erfolgreich bei Eierstock-, Brust- und Bronchialkrebs eingesetzt. Die Pharmaindustrie verdient Milliarden damit, während die Eibe selbst in der Volksheilkunde seit Jahrhunderten bekannt war.
Terpene: Der eigentliche Wirkstoff hinter dem Waldzauber
Was genau im Wald auf uns wirkt, lässt sich heute biochemisch erklären. Bäume geben über ihre Rinde, Blätter und Nadeln sogenannte Terpene ab, sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen sie sich gegen Schädlinge verteidigen. Atmen wir diese Stoffe ein oder nehmen sie über die Haut auf, geschieht in unserem Körper Bemerkenswertes.
Der Biologe und Bestseller-Autor Clemens G. Arvay beschreibt in seinem Buch „Der Biophilia-Effekt, Heilung aus dem Wald“ mit Bezug auf Forschungsergebnisse der Nippon Medical School in Tokyo: „Terpene erhöhen die Zahl und fördern die Aktivität jener natürlichen Killerzellen im menschlichen Körper, die Viren entfernen und Krebszellen sowie potenzielle Krebszellen bekämpfen.“ Sie aktivieren zudem die drei wichtigsten Anti-Krebs-Proteine, mit denen unser Immunsystem Tumore bekämpft. Dass die Pharmaforschung inzwischen Chemotherapeutika auf Terpenbasis entwickelt, zeigt, wie ernst dieser Effekt mittlerweile genommen wird. Die unpatentierbare Variante, nämlich selbst in den Wald zu gehen, bleibt dabei bemerkenswert leise.
Die gute Nachricht: Du musst keinen Baum umarmen, um diese Wirkung zu spüren. Schon ein ausgedehnter Waldspaziergang erhöht die Anzahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen um bis zu 50 Prozent. Wer einen Baum umarmt, kommt der reichhaltigsten Quelle dieser Stoffe nur besonders nahe, und damit bestätigt sich, was viele Menschen seit jeher intuitiv gespürt haben.
Bäume in Kultur, Mythos und Heilkunde

Dass Bäume Menschen tief berühren, zeigt auch ein Blick in die Kulturgeschichte. In nahezu jeder großen Tradition spielen Bäume eine zentrale Rolle. Der berühmte Bodhi-Baum, eine indische Pappel-Feige, gilt als jener Ort, unter dem Siddhartha Gautama, der historische Buddha, seine Erkenntnis erlangte. Die keltische Druidenkunde sah in Eichen und Misteln Träger besonderer Heilkräfte, heute finden sich in deutschen Erholungsorten moderne Baumkreise, die diese Tradition aufgreifen. Im Ayurveda wird der Neembaum seit dreitausend Jahren als „Dorfapotheke“ bezeichnet, die Pharmaforschung findet heute in seiner Rinde über 140 aktive Wirkstoffe. Und auch im Hatha Yoga steht der Baum als Symbol für Gleichgewicht und Standhaftigkeit, sichtbar in der bekannten Baumhaltung Vrikshasana. Das alte Wissen weist erstaunlich konsequent in dieselbe Richtung, in die heute die Immunologie zeigt.
Wer die Natur liebt, schützt sie
Die Bäume und Steine werden dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen kann.
Bernhard von Clairvaux
Niemand muss einen Baum umarmen, um die Natur zu lieben. Aber wer einmal verstanden hat, wie sehr Wälder unsere Gesundheit nähren, wird sie auch anders behandeln. Umweltverschmutzung, Monokulturen und der systematische Raubbau an unseren Wäldern entziehen uns wortwörtlich die Grundlage für ein gesundes Leben, auch wenn diese Zusammenhänge in den Gesundheitsdebatten meist fehlen. Es gibt viele Wege, etwas beizutragen: weniger Verpackungsmüll, bewusster mit dem Auto umgehen, regional und pflanzlich einkaufen, in einem Naturschutzverein mitwirken oder eine Baumpatenschaft bei Greenpeace übernehmen. Was wir der Natur zurückgeben, kommt in Form von Frische, Stille und Gesundheit zu uns zurück.
Empfehlungen zum Thema:
Wer tiefer in das Thema Wald, Heilung und altes Naturwissen eintauchen möchte, findet hier die besten Begleiter zu diesem Thema, handverlesen und aus voller Überzeugung empfohlen:
1) Der Biophilia-Effekt, Heilung aus dem Wald von Clemens G. Arvay*, das viel zitierte Standardwerk über die heilende Wirkung von Wäldern und Terpenen, gut lesbar und wissenschaftlich fundiert.
2) Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben*, ein Bestseller, der die erstaunliche Kommunikation und Sozialstruktur unter Bäumen anschaulich erklärt.
3) Shinrin Yoku, die japanische Kunst des Waldbadens*, ein praxisnaher Leitfaden für alle, die das Waldbaden in den eigenen Alltag integrieren möchten.
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I believe into the harmony between trees and the people. Because everything is connected together. Our nature is the most impressive system and we are at the starting point to understand it. We have to go on and have to save each plant and animal onto this beautiful World.