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Mai 21

Der Mann, der die Wüste aufhielt…

Yacouba Sawadogo ist nur ein einfacher Bauer, doch hat er seinem Dorf im Nordwesten von Burkina Faso einen elementaren Dienst erwiesen. “Der Mann, der die Wüste aufhielt” rettete die Böden von Gourga vor der Verödung. Als er vor 30 Jahren damit begann, auf seinem Land Bäume zu pflanzen, hielt man ihn für verrückt. Doch inzwischen kehren die Menschen in den Ort zurück, aus dem sie die vorrückende Wüste vertrieben hatte. Auch Umweltexperten und Wissenschaftler kommen nach Gourga, um das Wunder zu bestaunen, das Sawadogo mit seiner Familie vollbracht hat.

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Ein einfacher Mann mit einer aussergewöhnlichen Idee folgt seiner inneren Stimme und bietet der Wüste die Stirn. Am Rand der Sahelzone im Norden von Burkina Faso macht sich Yacouba Sawadogo daran, den völlig verkrusteten und ausgetrockneten Boden um sein Heimatdorf Gourga mit einer einfachen Spitzhacke aufzubrechen und mit einer alten, von seinen Vorfahren überlieferten Methode, dem Zai, wieder zu fruchtbarem Land zu erwecken.

jakuUrsprünglich war es dem Bauern darum gegangen, das unfruchtbar gewordene Land durch eine nachhaltige Nutzung des Regenwassers zu regenerieren. Er erkannte, dass die von den Ureinwohnern traditionell angelegten Wasserlöcher viel zu klein waren, um ausreichend Regenwasser zu speichern. So hub er größere Löcher aus. Darüber hinaus begann er damit, das Land zu bewalden. “Als ich die ersten Bäume pflanzte, dachten alle, ich sei verrückt geworden”, berichtete der in die Jahre gekommene Farmer auf der zehnten Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD), die vom 10. bis zum 21. Oktober im südkoreanischen Changwon tagte.

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Als er seine ersten Samen gesät hatte, erinnerte sich Yacouba an den Aufruf des Korans, ein Mann solle Bäume pflanzen und von der Schöpfung nicht nur nehmen, sondern ihr auch etwas geben. Der Wald ist Yacoubas Gabe an die Schöpfung. Yacoubas Wald, wie die Leute das Stück Land nennen, ist ein Ganzkörpererlebnis aus Kühle und Schatten, aus Vogelgesang und Bienengesumm. Mit Stämmen und Hirsestroh hat Yacouba einen Unterstand gebaut. Hasen laufen an Bäumen vorbei, Echsen funkeln. Der Wald ist ein Ort, der lebt, wo einst nur Hitze war.

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Die Bäume sind mittlerweile zu einem 15 Hektar großen und artenreichen Wald zusammengewachsen. Das Experiment macht Schule in der dürregeplagten Sahelzone, die sich über eine Länge von 1.000 Kilometern vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer erstreckt. “Agraringenieure können eine Menge von Sawadogo lernen”, sagt Chris Reij vom Centre for International Cooperation. “Hätte Yacouba die Möglichkeit gehabt, zur Schule zu gehen, wäre er sicher Professor geworden”, meinte er schmunzelnd. “Wissenschaftler besuchen ihn, um von seinem Wissen zu profitieren.” Reij zufolge konnte eine Vielzahl kostspieliger Großprojekte das Problem der Wüstenbildung nicht lösen. “So waren es die kleinen Bauern, denen das gelang, woran globale Agenturen gescheitert sind.”

Yacouba hat Erfolg. Und Neider, die zu Feinden werden und ihm ins allmählich gedeihende Handwerk pfuschen. Doch Yacouba gibt nicht auf und schliesslich gelingt ihm ein einzigartiger Neuaufbau von Wäldern und Feldern mitten in der Wüste, mit denen er Aberhunderte von Familien ernähren kann.

Die Fachleute hatten Yacouba für verrückt erklärt

Yacouba, der Analphabet wusste nichts von Lebensmittelmärkten, von den Problemen der Bauern in Übersee, von Nahrungsmittelkonzernen, die die Welt beherrschen. Er sah nur den toten Boden und den Hunger seiner Familie und der Menschen im Dorf. Also hatte er seine Hacke genommen und Löcher in den Boden gehackt. Nun ernährt der Boden, den er der Wüste abgerungen hat 2,5 Millionen Menschen. Die westlichen Konzerne verdienen dabei keinen Cent, das ist für diese bitter. Bisher war – und ist leider immer noch – die Entwicklungshilfe für die Chemiekonzerne, die Nahrungsmittelkonzerne und die Spekulanten eine kalkulierbare Größe gewesen, eine sichere Einnahmequelle. Sie verdienten am Hunger Afrikas. Nun hat Yacouba und mit ihm inzwischen fast eine Million Kleinbauern diese Quelle trocken gelegt und begonnen, die Sahelzone fruchtbar zu machen. Der Mann, den sie lange für verrückt erklärt haben, hat sie ignoriert, ihre Anfeindungen über sich ergehen lassen und stoisch weiter den Boden aufgehackt. Jetzt kommen nicht nur die Afrikaner zu ihm, sondern auch – unabhängige – Fachleute aus Übersee, nun war er sogar in New York bei der UN, hat Ban Ki Moon getroffen und den Menschen bei der UN seine Geschichte erzählt, wie er seinen ersten Wald pflanzte mit 60 verschiedenen Bäumen auf 30 Hektar Wüste. Vielleicht merken die Menschen in den Industrieländern, dass sie eigentlich die Verrückten sind, die mit ihrem maßlosen Egoismus die Welt zerstören.

Yacouba lächelt, nimmt seine Hacke und geht in die Wüste, um Löcher zu hacken.

Zuletzt will er eine Apotheke bauen, für seine Heilmittel

Yacouba ist 70. Er ist alt geworden und müde. Inzwischen hacken seine Söhne Löcher in die Wüste und viele tausend, ja Millionen Kleinbauern in Afrika. Sie alle ernten nun dreimal so viel, wie ein Großbauer mit der industriellen Methode auf der gleichen Fläche. Sie ernähren ihre Familien und viele andere mit, auch in den Jahren, in denen die Felder der Großbauern wieder einmal austrocknen und diese hungern müssen.

Yacouba lächelt nur und macht nun auch Medizin aus den Früchten und der Rinde der vielen Bäume in seinem Wald. Er kennt die Jahrtausende alten Rezepte, aus den Geschichten seiner Väter, denn er kann selbst nicht lesen. Er ist immer gesund und stark gewesen, wie auch seine 60 köpfige Familie. Er möchte den anderen Menschen im Dorf auch helfen, gesund zu bleiben, umsonst. Für seine Medizin will er kein Geld, er hält das für unredlich.

Ein Heiliger? Nein, ein freier Mensch.

Yacouba wurde nicht vergiftet von den Irrlehren der Weißen, konnte sie nicht lernen, weil er die Schule verließ ohne lesen gelernt zu haben. Ein Scheich hatte ihm damals aber prophezeit, dass er einmal ein großer Mann sein werde, ein Mann der seinem Volk helfen, es retten werde, ein Held. Yacouba ist zu bescheiden dafür, ist einfach nur menschlich.

Es gibt inzwischen Filme über den Mann, der die Wüste aufhielt, die überall auf der Welt gezeigt werden. Es ist zu hoffen, dass das Beispiel dieses einfachen Mannes den Wahnsinn aufhält. Den Wahnsinn der Menschen in Übersee, die ihre Welt zerstören und die Yacouba dann, mit seiner Hacke wieder retten muss.

Empfehlung zum Thema:

Der Mann, der die Wüste aufhielt Taschenbuch


Quellen: 

http://en.wikipedia.org/wiki/Yacouba_Sawadogo /  http://www.1080films.co.uk/project-mwsd.htm

http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/9715-der-mann-der-die-wueste-aufhielt / DIE ZEIT No. 49 , Seite 17-19.

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Kommentare

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3 Kommentare

  1. hans

    Also respekt vor diesem Mann,

    man sollte einen Spendenaufruf starten und dann Geld für die Bepflanzung der Sahelzone bereitstellen.
    Die Technik kann ja von dem Mann aus Burkina Faso Yacouba Sawadogo erlernt werden und somit könnte die Wüste aufgehalten werden.
    Anstatt in Waffen zu investieren sollte man das Geld besser in solche Projekte anlegen.
    Aber eine Kalaschnikow braucht ein jeder in Afrika ! ODER ODER ?????

  2. Tanja

    Ganz genau Hans,
    es gibt immer einen Weg, wenn man will.

  3. Lotte Hanreich

    Die Initiative der Jugend Plant-for-the-planet ist so ein Projekt und gehört unterstützt. Jeder Euro Spende ein Baum gepflanzt und betreut. Schafft Wohlstand und Arbeit der Pflanzer und deren Familien- Eine wunderbare Idee von Felix Finkbeiner. Yakouba ist einer der ganz großen unseres Planeten! Hochachtung! Pflanzt weiterhin Bäume und gebt den Bewohnern damit eine Lebensgrundlage!

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