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Mai 19

Äthiopien – Abgeholzte Steppen verwandeln sich wieder in grüne Wälder

Wer heute in die Stadt Sodo im Süden Äthiopiens kommt und dort das letzte Mal vor zehn Jahren gewesen ist, glaubt seinen Augen nicht trauen zu können. Wo damals auf den umliegenden Bergen nur vereinzelte stachelige Büsche und nutzlose Kriechpflanzen zu sehen waren, wo die Bodenerosion tiefe Einschnitte geschaffen hatte und wo von Zeit zu Zeit Erdlawinen ins Tal stürzten, fressen heute Kühe saftiges Gras und der Wildbach plätschert ins Tal, so dass man glauben könnte, man wäre irgendwo in den Alpen auf einer Alm.

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In Südäthiopien: Ein Farmer hält Ausschau in einer Baumkrone. / © D-Stanley / flickr.com (CC BY 2.0)

Tony Rinaudo, ein australischer Agrarexperte aus Melbourne, kam 2006 nach Sodo und sah Berge, die aussahen, als ob sie einer einzigen Naturkatastrophe zum Opfer gefallen sind. Damals waren die Bewohner der Region Sodo auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Durch das, seit vielen Generationen, erfolgte Abholzen der Wälder und dem Übergrasen der Weiden konnten auf dem Boden keine Nahrungsmittel mehr gedeihen. Man hatte seine eigene Lebensgrundlage zerstört.

Dieses Problem kannte Tony Rinaudo bereits seit 1980 aus einer anderen Gegend in Afrika, nämlich aus dem westafrikanischen Staat Niger. Dort sollte er die sich ständig ausbreitende Wüste aufhalten. Er pflanzte jahrelang in großer Zahl Bäumchen, die alle wieder in der Hitze verdorrten. Doch Rinaudo kam auf eine Lösung des Problems. Er beschäftigte sich mit den kümmerlichen Trieben, die er in der Halbwüste fand und stellte fest, dass diese Triebe von früher gefällten Bäumen stammten, die sich aus einem unterirdischen Wurzelgeflecht bildeten und die nach jedem Regen aus dem Sand hervorkamen, um dann sehr rasch von hungrigen Tieren abgefressen zu werden. Somit konnten diese Triebe nie zu kleinen Bäumchen heranwachsen. Mit dieser Erkenntnis kam für Rinaudo die zündende Idee: Neue Bäume pflanzen war überflüssig, man musste nur die vorhandenen Triebe schützen.

Diese Erkenntnis könnte für Afrika von größerer Bedeutung sein als Milliarden an Entwicklungshilfegeldern. Kein Erdteil hat mehr Bäume verloren als Afrika.

D

abei muss man sich vor Augen halten, dass Bäume für den Erhalt unserer Erde die wichtigsten Eckpfeiler sind. Sie verhindern die Erosion des Bodens, speichern Regenwasser, halten den Boden feucht, spenden Schatten und einige geben wertvollen Stickstoff in den Boden ab.

Mit der von Rinaudo entdeckten Methode könnten Millionen Hektar von zerstörtem Land wieder in intakte Wälder und saftige Weiden verwandelt werden.

Der Australier musste zunächst beweisen, dass seine These richtig ist. Dafür umzäunte er ein Versuchsfeld, um die Tiere fernhalten zu können. Die heranwachsenden Büsche schnitt er in Form zurecht und schon wenige Jahre später stand im Versuchsfeld ein kleiner Wald. Mittlerweile stehen, in der von Rinaudo in Niger betreuten Region, etwa 200 Millionen Bäume. Rinaudo ging davon aus, wenn seine Methode im Halbwüstenstaat Niger funktioniert, dann müsste sie im klimatisch günstigeren Südäthiopien erst recht von Erfolg gekrönt sein.

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Südäthiopien
© luigig / flickr.com (CC BY 2.0)

Fünfzig Kilometer südlich von Dodo liegt das Dorf Humbo zu Füßen eines Berges, der vor zehn Jahren wie der nackte Buckel eines Nilpferdes aussah. Von Wald war keine Spur mehr zu sehen.
Anfangs war die Bevölkerung ihm gegenüber sehr skeptisch. Man hielt ihn für einen Scharlatan. Einer seiner ersten Verbündeten in Humbo war Katmar Anato, dessen Farm unmittelbar am Fuße des „Nilpferdbuckels“ lag und dessen Ernte des Öfteren von Schlammlawinen zerstört wurde. Er war bereit, Rinaudo eine Chance zu geben. Es war sein Glück, denn es donnern keine Schlammlawinen mehr auf seine Felder. Heute wachsen Fruchtbäume, Kaffeebüsche und Maisstauden auf seinem Land und Anato sagt: „Man hat das Gefühl, in einem Kühlschrank zu sitzen.“ Das Gefühl trügt ihn nicht, denn Rinaudo hat nachgemessen, dass die Bodentemperatur unter einem Baum bei großer Mittagshitze bis maximal 36 Grad ansteigt, während sie auf freiem Feld auf 71 Grad hochklettert.

Mittlerweile ist es nicht nur Anato, der an die Methoden von Rinaudo glaubt, sondern es haben sich mehr als 5000 Mitglieder der Initiative angeschlossen. Die Menschen von Dodo und Humbo sind nicht mehr auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt, denn bereits vor zwei Jahren konnte Humbo einhundert Tonnen seiner Maisüberschüsse an das Welternährungsprogramm der UNO verkaufen!

Bezahlt werden die Projekte aus dem Finanzausgleich zwischen Umweltsündern und Öko-Initiativen aus der Dritten Welt. Unternehmen aus Industrieländern können ihren CO2-Ausstoß mit Zahlungen an Projekte in Entwicklungsländern ausgleichen und somit zur Wiederaufforstung beitragen. Seit dem Jahr 2010 bekommen die insgesamt sieben Initiativen in Humbo pro Jahr zwischen 35000 und 70000 US-Dollar an Finanzhilfe. Dies sind gigantische Summen für dortige Verhältnisse.

 

 


Quelle: tagesanzeiger.ch / gute-nachrichten.com

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